Mikronährstoffe und Parodontitis
Welche Rolle können Mikronährstoffe in der Prävention und unterstützenden Therapie von Parodontitis spielen? Weshalb ein ausreichender Mikronährstoffstatus die Immunabwehr stärkt, die Regeneration von Zahnfleisch und Kieferknochen unterstützt und entzündungshemmend wirkt.
Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates, die unbehandelt zu Zahnfleischrückgang, Knochenabbau und schließlich zu Zahnverlust führen kann. Ausgangspunkt sind bakterielle Beläge, doch entscheidend für die Krankheitsentstehung ist die individuell ausgeprägte Immun- und Entzündungsreaktion. Eine fehlgesteuerte, übermäßige oder unzureichend kontrollierte Immunantwort trägt maßgeblich zur Gewebeschädigung bei.
Rolle der Mikronährstoffe
Mikronährstoffe spielen eine zentrale Rolle für die Gesundheit des Zahnhalteapparates sowie für die Prävention und unterstützende Therapie von Parodontitis. Sie fördern essentielle biologische Prozesse wie die Immunfunktion, den antioxidativen Schutz, Entzündungsregulation und Gewebeheilung. Vitamin C und D unterstützen die Regeneration von Zahnfleisch und Kieferknochen, während Zink und Omega‑3-Fettsäuren direkt entzündungshemmend wirken. Vitamin A trägt zusätzlich zur Schleimhautregeneration, Speichelproduktion und Abwehr oraler Infektionen bei.
Klinische Befunde
Ein ausreichender Mikronährstoffstatus stärkt die Immunabwehr, unterstützt die Regeneration von Zahnfleisch und Kieferknochen und wirkt entzündungshemmend. Studien zeigen, dass Patienten mit Parodontitis häufig niedrigere Spiegel essenzieller Mikronährstoffe wie Vitamin C und Vitamin D aufweisen, was die Anfälligkeit für entzündliche Prozesse im Zahnhalteapparat erhöhen kann. Eine gezielte, ergänzende Versorgung mit Mikronährstoffen kann die konventionelle Parodontitistherapie – einschließlich Scaling, Root Planing und chirurgischer Maßnahmen – wirkungsvoll unterstützen, indem sie Heilungsprozesse beschleunigt, Entzündungen moduliert und die Widerstandskraft des Gewebes verbessert. Besonders Risikogruppen wie ältere Menschen, Raucher oder Patienten mit chronischen Erkrankungen profitieren von einer optimalen Mikronährstoffversorgung, da bei ihnen Defizite häufiger auftreten und die regenerative Kapazität des Gewebes eingeschränkt sein kann.
Praktische Empfehlungen zur Ernährung
Für die Praxis empfiehlt sich eine ausgewogene, vielfältige Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Nüssen, Vollkornprodukten und fettem Fisch ist. Diese Lebensmittel liefern essenzielle Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Omega‑3‑Fettsäuren, die das Immunsystem stärken, Entzündungen modulieren und die Geweberegeration unterstützen. Bei nachgewiesenem Mikronährstoffmangel oder erhöhtem Bedarf sollte eine gezielte, individuell abgestimmte Supplementierung unter ärztlicher oder zahnärztlicher Anleitung erfolgen, um die Versorgung optimal sicherzustellen und Heilungsprozesse nach parodontalen Therapien zu fördern.
Supplementierung und Point-of-Care-Tests
In zahnärztlichen Praxen können Point-of-Care-Tests (PoC) eingesetzt werden, um den Status wichtiger Mikronährstoffe und relevanter Gesundheitsmarker schnell und unkompliziert zu bestimmen. So lassen sich beispielsweise Vitamin‑D-Schnelltests zur Erfassung des 25‑OH‑Vitamin‑D-Spiegels einsetzen, CRP-PoC-Tests zur Einschätzung entzündlicher Prozesse und Blutzucker- oder HbA1c-PoC-Tests zur Kontrolle des Glukosestatus, da Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Risikofaktoren für Parodontitis darstellen. Durch diese Tests können Defizite und Risikokonstellationen frühzeitig erkannt werden, sodass Präventions- und Therapiestrategien individuell abgestimmt werden können. Auf dieser Grundlage lässt sich die Supplementierung gezielt planen, die Geweberegeneration fördern, die Abwehrkräfte stärken und Entzündungen reduzieren.
Lifestyle-Faktoren
Weitere Lifestyle-Faktoren – darunter Rauchvermeidung, regelmäßige körperliche Aktivität und eine ausreichende Sonnenlichtexposition zur Förderung der körpereigenen Vitamin‑D-Synthese – tragen ebenfalls entscheidend zur Prävention und unterstützenden Therapie der Parodontitis bei. Diese Maßnahmen wirken synergistisch mit einer ausgewogenen Ernährung und einer bedarfsgerechten Mikronährstoffversorgung, indem sie das Immunsystem stärken, Entzündungen modulieren und die Geweberegeneration unterstützen. Ergänzt durch regelmäßige zahnärztliche Kontrollen, professionelle Zahnreinigung und gezielte ernährungsbezogene Maßnahmen, bilden sie ein umfassendes Konzept zur langfristigen Erhaltung der Mundgesundheit und zur Reduktion parodontaler Risikofaktoren.
Fazit
Mikronährstoffe sind ein zentraler Baustein in der Prävention und unterstützenden Therapie von Parodontitis. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung, ergänzt durch gezielte, bedarfsgerechte Supplementierung, fördert nicht nur die Mundgesundheit, sondern stärkt auch das Immunsystem und die allgemeine körperliche Widerstandskraft – denn: bunt essen – Entzündungen vergessen.
