Xerostomie

DGIM 2026: Trockener Mund – Wann Xerostomie klinisch relevant ist

Der trockene Mund zählt zu den häufigsten Leitsymptomen in der klinischen Praxis. Die Ursachen reichen von funktionellen Beschwerden bis zu Autoimmunerkrankungen. Entscheidend ist die klare Trennung zwischen subjektiver Xerostomie und objektivierbarer Hyposalivation.

Xerostomie als subjektives Symptom

Der Begriff Xerostomie beschreibt ausschließlich das subjektive Empfinden eines trockenen Mundes. Dieses Symptom ist häufig und betrifft in Bevölkerungsstudien etwa zwanzig Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Entscheidend ist, dass dieses Empfinden nicht zwingend mit einer verminderten Speichelproduktion einhergeht.
Subjektive Beschwerden und objektive Messwerte zeigen nur eine schwache Korrelation, sodass eine alleinige Symptombeschreibung für die ätiologische Einordnung nicht ausreicht.

Objektivierung der Speichelproduktion

Zur Differenzierung zwischen subjektiver Xerostomie und einer tatsächlichen Hyposalivation ist die Messung der Speichelflussrate erforderlich. In der klinischen Praxis kann dies mithilfe eines standardisierten Kautests erfolgen. Als Orientierungswert gelten etwa 3,5 g Speichel innerhalb von zwei Minuten als normal.
Untersuchungen zeigen, dass ein relevanter Anteil symptomatischer Patienten eine normale Speichelproduktion aufweist, während umgekehrt eine objektive Hyposalivation auch ohne ausgeprägte Beschwerden bestehen kann. Symptomatik und Messwert müssen daher unabhängig voneinander bewertet werden.

Häufige Ursachen in der Versorgung

Funktionelle und psychosomatische Faktoren

In der Mehrzahl der Fälle liegt keine organische Erkrankung zugrunde. Häufige Auslöser sind Stress, depressive Erkrankungen oder vegetative Dysregulationen. Die Mundtrockenheit ist dabei oft Teil eines generalisierten Trockenheitsgefühls mit begleitenden Symptomen wie trockenen Augen oder Fatigue.

H3 Medikamente und Allgemeinerkrankungen

Eine echte Reduktion der Speichelproduktion findet sich häufig unter medikamentöser Therapie, insbesondere bei

Auch Polypharmazie im höheren Lebensalter stellt einen relevanten Risikofaktor dar.

Sjögren-Syndrom als Differenzialdiagnose

An ein Sjögren‑Syndrom sollte bei persistierender Mundtrockenheit in Kombination mit trockenen Augen oder systemischen Beschwerden gedacht werden. Die serologische Diagnostik umfasst insbesondere Autoantikörper gegen SSA/Ro und SSB/La. Ein relevanter Anteil der Patienten bleibt seronegativ. In diesen Fällen kann eine Speicheldrüsenbiopsie zur Diagnosesicherung beitragen. Aufgrund der begrenzten Spezifität muss der histologische Befund stets im klinischen Kontext interpretiert werden.

Therapeutische Konsequenzen

Allgemeinmaßnahmen

Unabhängig von der Ursache profitieren viele Patienten von Basismaßnahmen, darunter:

  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr,
  • Meiden trockener Raumluft,
  • regelmäßiges Kauen zur Speichelstimulation,
  • konsequente Mund- und Zahnhygiene mit zahnärztlicher Kontrolle.

Xerostomie ist mit einem erhöhten Risiko für Karies und orale Infektionen assoziiert.

Medikamentöse Therapie beim Sjögren-Syndrom

Bei gesichertem Sjögren‑Syndrom stellt Pilocarpin die bislang wirksamste symptomatische Therapie dar. Als muskarinerger Agonist steigert es die Speichelproduktion deutlich, erfordert jedoch aufgrund möglicher cholinerger Nebenwirkungen ein langsames Auftitrieren.
Immunsuppressiva, einschließlich DMARDs, zeigten bislang keinen konsistenten Effekt auf die Drüsenfunktion.

Perspektiven zukünftiger Therapien

Neue Therapieansätze zielen auf die B‑Zell‑Modulation, da diese eine zentrale Rolle in der Pathogenese des Sjögren‑Syndroms spielt. In aktuellen Studien zeigten selektierte Patientengruppen mit erhaltener Restdrüsenfunktion Verbesserungen der Speichelproduktion. Eine Zulassung neuer Substanzen wird erwartet.

Fazit für die Praxis

Die Xerostomie ist ein häufiges, jedoch unspezifisches Symptom. Entscheidend ist die strukturierte Abklärung mit klarer Trennung zwischen subjektiver Beschwerde und objektiver Hyposalivation. Funktionelle Ursachen und Medikamente stehen im Vordergrund, während das Sjögren‑Syndrom nur bei passender Klinik gezielt abgeklärt werden sollte. In vielen Fällen führen bereits Basismaßnahmen zu einer relevanten Symptomlinderung.