Darmkrebs-Screening: Hat die Koloskopie ausgedient?

Sowohl die Koloskopie als auch der FIT (fäkaler immunchemischer Test) sind etabliertere Screening-Werkzeuge für die Früherkennung eines kolorektalen Karzinoms. Ob der FIT die Darmspiegelung in einer älter werdenden Bevölkerung womöglich künftig ersetzen könne, darüber sprach Prof. Christian Pox aus Bremen beim diesjährigen DGIM-Kongress in Wiesbaden.

Erfahrungsgemäß ist die Akzeptanz der Darmspiegelung in der Bevölkerung nicht sonderlich hoch und begegnet immer wieder Vorbehalten, weswegen der FIT (fäkaler immunchemischer Test) als Alternative angeboten wird. Und auch vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung sowie den Überlegungen, das Alter für Darmspiegelungen zu Vorsorgezwecken auf 45 Jahre zu senken, gewinnt der FIT – auch iFOBT (immunological Faecal Occult Blood Test) genannt – an Bedeutung.

Die COLONPREV-Studie aus dem vergangenen Jahr, publiziert in The Lancet, verglich aus diesem Grund die Vorsorge-Koloskopie mit der alle zwei Jahre durchgeführten FIT über 10 Jahre (5 Tests). „Die Ergebnisse der Studie sind nicht so berauschend“, leitete Prof. Pox, der auch an der Erstellung der Leitlinie zum Kolorektalen Karzinom beteiligt war, seinen Vortrag ein.

In die Studie wurden 57.404 Patientinnen und Patienten zwischen 50 und 69 Jahren aus Spanien eingeschlossen und auf zwei Gruppen randomisiert, die entweder zur Koloskopie oder zum FIT eingeladen wurden. Von diesen nahmen 31,1 Prozent die Einladung zu einer Darmspiegelung wahr, 39,9 Prozent unterzogen sich den regelmäßigen FIT.

Non-Inferiority des FIT

  • Es zeigte sich, dass der FIT der Koloskopie nicht unterlegen war.
  • Durch die Koloskopie wurden 68,6 Prozent der entdecken Tumore im Stadium 1 diagnostiziert, mithilfe des FIT waren es 52,8 Prozent. „Beim FIT wurden die Tumore also erst in weiter fortgeschrittenen Stadien entdeckt“, betont der Gastroenterologe.
  • In der Koloskopie-Kohorte konnten ferner mehr Vorläuferläsionen gefunden werden.
  • Die Inzidenz eines KRK betrug in der Koloskopie-Gruppe 0,85 Prozent, wohingegen sie in der FIT-Gruppe bei 1,28 Prozent lag.
  • Teilnehmende der Koloskopie-Gruppe hatten in der per-Protokoll-Analyse – also in der Gruppe derjenigen, die das Studienprotokoll vollständig eingehalten hatten – eine KRK-assoziierte 10-Jahres-Mortalität von 0,02 Prozent, die der FIT-Kohorte betrug 0,11 Prozent.
  • Die Komplikationsrate betrug 1,1 Prozent nach Darmspiegelung und 0,8 Prozent nach FIT.

Pox setzt ein Zwischenfazit: Der populationsbedingte Effekt von FIT und Koloskopie auf die KRK-bedingte Mortalität und Inzidenz sei weitgehend vergleichbar. Die per-Protokoll-Analyse zeige jedoch Vorteile für die Mortalität und Inzidenz, wobei der Vorteil durch die bessere Teilnahmerate beim FIT-Screening aufgehoben werde. Das zeige sich auch in einem Modellversuch von Seergev et al., der ein Mehrstufen-Simulationsmodell verwendete, um die Effektivität der Screeningverfahren zu vergleichen. Mit dem Ergebnis: Beide in Deutschland angebotenen Verfahren seien hochwirksam und ähnlich effektiv.

Was heißt das für die Praxis? 

Die Koloskopie alleine erreiche nie ausreichend Menschen, um einen schützenden Effekt zu erreichen. Daher seien die Empfehlungen der Leitlinie – eine Koloskopie alle zehn Jahre oder FIT alle ein bis zwei Jahre – ein zielführender Weg. Zumal: „Irgendwann wird der FIT schließlich positiv und dann folgt die Darmspiegelung.“

Auch die NordICC-Studie spreche für eine Darmspiegelung, da sie eine 30-prozentige Reduktion der Inzidenz des KRK nachweisen konnte. Außerdem sei seit Einführung des Koloskopie-Screenings die Inzidenz des KRK um 30 Prozent gesunken und auch die Sterberate konnte deutlich reduziert werden.

Zusammenfassung

Zusammenfassend betonte Pox: „Die Koloskopie ist weiterhin zeitgemäß“, auch wenn die Effekte von FIT und Koloskopie nach zehn Jahren weitgehend vergleichbar seien. Denn abgesehen davon, dass die per-Protokoll-Analyse Vorteile hinsichtlich Mortalität und Inzidenz zeigte, habe die Koloskopie auch die höchste Sensibilität und Spezifität für Neoplasien. Ferner sehe man den Vorteil eines längeren Wiederholungsintervalls – womöglich sogar nur alle 15 Jahre –, denn an die Wiederholung des FIT alle zwei Jahre müsse auch gedacht werden. Noch sei zudem nicht klar, ob der FIT eine Möglichkeit der Primärprävention biete. Im Gegensatz zur Darmspiegelung sei ein primärpräventiver Effekt dort eindeutig nachgewiesen.

Sinnvoll, so Pox, ist das Angebot beider Verfahren, denn am Ende sei die Teilnahmerate von entscheidender Bedeutung. „The best screening is the one that gets done“, sagte der Professor zu Abschluss des Vortrags.

 

Vortrag „Ist die Koloskopie noch zeitgemäß?“, 132. Kongress der DGIM, 18. bis 21. April, Wiesbaden.