Keine Work-Life Balance: Ärzte arbeiten rund sechs Stunden pro Woche mehr als Erwerbstätige insgesamt
Zwar ist die durchschnittliche Arbeitszeit bei Medizinerinnen und Medizinern gesunken, dennoch zählen sie nach wie vor zu den Erwerbstätigen mit überdurchschnittlich langen Arbeitszeiten.
2024 leisteten sie normalerweise im Durchschnitt 40,3 Stunden pro Woche (46 Stunden in Vollzeit, 25,6 Stunden in Teilzeit), teilt das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Das waren rund sechs Stunden pro Woche mehr als bei Erwerbstätigen insgesamt, die durchschnittlich 34,4 Stunden pro Woche arbeiteten (40,3 Stunden in Vollzeit, 20,9 Stunden in Teilzeit).
Die Arbeitszeiten von Ärztinnen und Ärzten seien in den vergangenen zehn Jahren im Vergleich zu den Erwerbstätigen insgesamt überdurchschnittlich stark gesunken. Als Grund für diese Entwicklung sieht das Amt den gestiegenen Anteil der Teilzeitarbeit. Arbeiteten 2014 noch 15 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit, waren es 2024 bereits 28 Prozent. Bei den Erwerbstätigen insgesamt stieg der Anteil im selben Zeitraum von 28 auf 31 Prozent.
Je nach Fachrichtung unterschieden sich die Arbeitszeiten teils erheblich. In der Chirurgie arbeiteten Fachärztinnen und Fachärzte in Vollzeit im Schnitt 49,7 Stunden pro Woche und damit rund sechseinhalb Stunden mehr als Zahnärztinnen und Kieferorthopäden (43,1 Wochenstunden in Vollzeit). Ob die Ärzte in Anstellung oder in eigener Praxis tätig waren, geht aus den Daten nicht hervor.
Knapp ein Drittel ist 55 Jahre und älter
Ein großer Teil der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland dürfte in den nächsten Jahren altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden: 2024 waren 31 Prozent der Ärztinnen und Ärzte 55 Jahre und älter. Der Anteil dieser Altersgruppe lag damit über dem bei allen Erwerbstätigen (27 Prozent).
Insgesamt sei die Zahl der Ärztinnen und Ärzte binnen zehn Jahren zwar um gut ein Fünftel gestiegen, doch habe auch der Anteil der Altersgruppe 55plus zugenommen.
Der Anteil der Ärztinnen und Ärzte unter 35 Jahren ist leicht gestiegen und lag zuletzt bei 22 Prozent. Einen großen Anteil daran haben die ausländischen Ärztinnen und Ärzte: Von ihnen war im Jahr 2024 knapp die Hälfte jünger als 35 Jahre.
Rund jeder achte Arzt hat keine deutsche Staatsangehörigkeit
In Deutschland arbeiten immer mehr ausländische Ärztinnen und Ärzte. 64.000 Ärztinnen und Ärzte hatten demnach im Jahr 2024 keine deutsche Staatsangehörigkeit. Das sind rund 13 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren es noch 7 Prozent. Zum Vergleich: Bei den Erwerbstätigen insgesamt lag der Anteil derjenigen mit ausländischer Staatsangehörigkeit 2024 bei 15 Prozent.
Der Anteil der Ärztinnen und Ärzte mit Einwanderungsgeschichte ist insgesamt aber noch höher, denn ein Teil der zugewanderten Ärzte besitzt inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft. In der Human- und Zahnmedizin arbeiteten 2024 insgesamt 121.000 aus dem Ausland zugewanderte Ärztinnen und Ärzte, das war knapp ein Viertel der gesamten Ärzteschaft.
2024 waren Ärztinnen und Ärzte nach Pflegefachkräften die Berufsgruppe mit den zweitmeisten Anerkennungen ausländischer Abschlüsse. Rund 7.000 Ärztinnen und Ärzte mit ausländischem Abschluss erhielten die Anerkennung mit voller Gleichwertigkeit in Deutschland. Zahnärztinnen und Zahnärzte lagen auf Rang 7 der Berufe mit den meisten Anerkennungen ausländischer Abschlüsse.
In beiden Bereichen machten allerdings Deutsche, die im Ausland studiert haben, einen Teil der Anerkennungen aus. Viele Medizinstudierende aus Deutschland wählen den Umweg über ein Studium im Ausland. 2023 gab es in Österreich rund 2.600 deutsche Studierende in der Humanmedizin, in Ungarn waren es 2024 knapp 1.900. Auch in der Zahnmedizin zog es die meisten deutschen Auslandsstudierenden nach Österreich (500) und Ungarn (300).
Die Angaben zu erwerbstätigen Ärztinnen und Ärzten nach Alter und Staatsangehörigkeit sowie der normalerweise geleisteten Wochenarbeitszeit stammen aus dem Mikrozensus, einer Stichprobenerhebung, bei der jährlich rund 1 Prozent der Bevölkerung in Deutschland befragt wird. Alle Angaben beruhen auf Selbstauskünften. Die Daten beziehen sich auf die Berufsgruppe 814 „Ärzte/Ärztinnen in der Human- und Zahnmedizin“ der Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010).
