Parodontitis Prophylaxe

Neuartige „Mikrobiom Zahnpasta“ soll gezielt Parodontitis-Erreger stoppen

Parodontitis ist weit verbreitet und kann gravierende Folgen für die Gesundheit haben. Fraunhofer-Forschende haben eine Substanz entdeckt, die gezielt nur die Keime ausbremst, die Parodontitis auslösen. Ein „Spin-off“-Unternehmen der Forschungsorganisation hat nun eine „Mikrobiom Zahnpasta“ mit der Substanz auf den Markt gebracht.

Das orale Mikrobiom beherbergt mehr als 700 verschiedene Bakterienarten. Einige wenige können Parodontitis verursachen, die innerhalb der Plaque vor allem am Zahnfleischrand haften und dort Entzündungen (Gingivitis) verursachen. Wie die Fraunhofer-Gesellschaft mitteilt haben Forschende des Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) am Standort Halle eine Substanz identifiziert, die gezielt schädliche Parodontitis-Erreger wie Porphyromonas gingivalis blockiert, andere „gute“ Keime der Mundflora aber verschont. Ihr Name: Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetat.

„Sie tötet die Gingivitis-Erreger nicht einfach ab, sondern blockiert nur deren Wachstum“, wird Prof. Stephan Schilling, Leiter der IZI-Außenstelle Molekulare Wirkstoffbiochemie und Therapieentwicklung, in der Mitteilung zitiert. Diese könnten dann ihre giftige Wirkung nicht entfalten, gesunde Keime könnten ihnen sonst verwehrte Nischen besetzen. „So hilft der Stoff im Einklang mit den gesunden Bakterien, das mikrobielle Gleichgewicht im Mund sanft aufzubauen und stabil zu halten.“

Von der Idee zum Endprodukt

Die selektive Substanz ist sogar bereits Bestandteil einer marktreifen Zahnpasta: Der Mitteilung zufolge ist bereits im Jahr 2018 in Halle das Fraunhofer-Spin-off PerioTrap Pharmaceuticals GmbH gegründet worden. Die Firma habe in Zusammenarbeit mit zwei Fraunhofer-Instituten die nun verfügbare „Mikrobiom-Zahnpasta“ entwickelt. „Das Produkt dient der Vorbeugung von Parodontitis. Wie eine normale Zahnpasta enthält es aber auch Putzstoffe und Fluorid zur Vorbeugung von Karies“, so Dr. Mirko Buchholz von PerioTrap.

Bald: Pflege-Gel für Praxen – und für Tiere

Die Arbeit an der Technologie gehe nun weiter. Für den Einsatz in der Zahnarztpraxis habe man ein Pflege-Gel entwickelt, das nach der professionellen Zahnreinigung appliziert wird. Es soll pathogene Bakterien blockieren, die Mundflora stabilisieren und so das Zahnfleisch gesund halten. Außerdem würden die Forschenden derzeit ein Mundwasser entwickeln. Zahnpflegeprodukte für Hunde und Katzen stünden auch auf der Agenda.

Hintergrund: Pflegeprodukte und Mundflora

 Herkömmliche Mundpflegeprodukte, etwa als Mundspülungen mit Alkohol oder mit dem Antiseptikum Chlorhexidin, töten laut Fraunhofer-Mitteilung zwar die Pathogene, aber auch alle anderen Keime. Wenn sich die Mundflora nach der Behandlung wieder aufbaut, hätten pathogene Keime wie Porphyromonas gingivalis einen Startvorteil, „weil sie sich auf entzündetem Zahnfleisch besonders gut vermehren können“. Dadurch kippe die Mundflora schnell wieder aus dem natürlichen Gleichgewicht in eine Dysbiose – die Krankheit kehre dann immer wieder zurück.

Weitere Informationen:

Zur „Mikrobiom Zahnpasta“ auf der Unternehmenswebseite