RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab

Weniger Mittelohrentzündungen bei Säuglingen

Nirsevimab schützt Säuglinge vor schweren Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus. Doch könnte die Prophylaxe auch andere häufige Erkrankungen im ersten Lebensjahr verhindern? Eine landesweite finnische Studie liefert Hinweise auf einen zusätzlichen Nutzen.

Akute Mittelohrentzündungen gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten im frühen Kindesalter und sind ein wesentlicher Anlass für Antibiotikaverordnungen. Häufig treten sie im Zusammenhang mit viralen Atemwegsinfektionen auf, darunter Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV).

Während die Wirksamkeit des monoklonalen Antikörpers Nirsevimab zur Prävention schwerer RSV-Atemwegserkrankungen gut belegt ist, gibt es bislang weniger Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen auf andere RSV-assoziierte Erkrankungen.

Ein finnisches Forscherteam untersuchte deshalb, ob die Einführung einer allgemeinen Nirsevimab-Prophylaxe mit einer veränderten Häufigkeit akuter Otitiden bei Säuglingen einherging. Die Ergebnisse wurden im European Journal of Pediatricsveröffentlicht.

Registerdaten aus vier RSV-Saisons ausgewertet

Für die landesweite, registerbasierte Zeitreihenanalyse nutzten die Forschenden Daten zu Geburten, laborbestätigten RSV-Infektionen und ambulant diagnostizierten akuten Mittelohrentzündungen. Insgesamt umfasste die Untersuchung 181.999 Säuglinge und einen Beobachtungszeitraum von vier aufeinanderfolgenden RSV-Saisons zwischen 2022 und 2026.

Finnland hatte im Herbst 2024 eine allgemeine Nirsevimab-Prophylaxe für Säuglinge eingeführt. Neugeborene, die während der RSV-Saison zur Welt kamen, sowie Säuglinge unter drei Monaten zu Beginn der Saison konnten den Antikörper erhalten.

Die Forschenden verglichen die Häufigkeit nachgewiesener RSV-Infektionen und akuter Mittelohrentzündungen während der Wintermonate Dezember bis März in den beiden Saisons vor und nach Einführung des Programms. Dabei unterschieden sie zwischen Säuglingen im Alter von null bis zwei, drei bis fünf sowie sechs bis elf Monaten.

Häufigkeit akuter Otitiden sank um 44 Prozent

Die Auswertung zeigte einen deutlichen Rückgang der akuten Mittelohrentzündungen nach Einführung der Nirsevimab-Prophylaxe. Bei Säuglingen unter zwölf Monaten sank die Inzidenz von 28,61 auf 15,93 Diagnosen pro 1.000 Säuglingsmonate, was einem relativen Rückgang um 44 Prozent entsprach.

Besonders ausgeprägt war dies bei den jüngsten Säuglingen: In der Altersgruppe von null bis zwei Monaten sank die Otitis-media-Inzidenz um 69 Prozent, bei den drei bis fünf Monate alten Kindern um 55 Prozent, und auch bei den sechs- bis elfmonatigen Säuglingen zeigte sich mit 42 Prozent ein deutlicher Rückgang.

Parallel dazu nahm die Häufigkeit laborbestätigter RSV-Nachweise insgesamt um 83 Prozent ab, wobei hier ebenfalls der stärkste Rückgang bei den jüngsten Säuglingen verzeichnet wurde.

Auch weniger Antibiotikaverordnungen denkbar

Die Ergebnisse deuten somit darauf hin, dass eine RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab über die Verhinderung schwerer Atemwegsinfektionen hinaus weitere gesundheitliche Vorteile haben könnte. Da akute Mittelohrentzündungen häufig antibiotisch behandelt werden, könnte eine geringere Erkrankungshäufigkeit aus Sicht der Autoren auch dazu beitragen, den Antibiotikaverbrauch im Säuglingsalter zu reduzieren.

Auffällig war zudem der deutliche Rückgang der Otitiden bei älteren Säuglingen, obwohl nur ein Teil dieser Altersgruppe für die Prophylaxe infrage kam. Als mögliche Erklärungen diskutieren die Forschenden einen länger anhaltenden individuellen Schutz sowie indirekte Effekte durch eine verringerte RSV-Übertragung.

Individuelle Schutzwirkung lässt sich nicht bestimmen

Einschränkend ist bei der Interpretation der Ergebnisse zu beachten, dass keine individuellen Angaben zur Nirsevimab-Gabe vorlagen. Die Forschenden konnten somit nicht unmittelbar vergleichen, wie häufig behandelte und unbehandelte Säuglinge an einer Otitis media erkrankten.

Auch könnten Veränderungen bei der Inanspruchnahme ärztlicher Versorgung, in der Diagnostik oder bei der Verbreitung anderer Atemwegserreger zwischen den untersuchten RSV-Saisons die Ergebnisse beeinflusst haben. Dennoch sehen die Autoren in den Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass eine breite RSV-Prophylaxe auch die Krankheitslast durch akute Mittelohrentzündungen im ersten Lebensjahr verringern könnte.
Originalpublikation: Leskinen N et al. Nirsevimab reduced acute otitis media infections in infants—a nationwide interrupted time-series analysis. European Journal of Pediatrics. 2026. DOI: 10.1007/s00431-026-07508-y

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