Studie Fluorid im Trinkwasser ist kein Risiko für Neugeborene

Fluorid im Trinkwasser steht seit Jahren in der Kritik. Eine internationale Studie mit Daten von 11,5 Millionen US-Geburten liefert nun Entwarnung: Weder Geburtsgewicht noch Frühgeburtenrate oder Schwangerschaftsdauer wurden durch die Trinkwasserfluoridierung negativ beeinflusst.

Während in der Schweiz seit den 1980er-Jahren vor allem fluoridiertes Speisesalz zur breiten Prävention eingesetzt wird, verfolgen die USA einen anderen Ansatz. Dort wird Fluorid seit dem Ende der 1940er-Jahre schrittweise auf kommunaler Ebene dem Trinkwasser zugesetzt. Heute erreiche diese Maßnahme mehr als 60 Prozent der US-Bevölkerung. Kritiker befürchten jedoch mögliche gesundheitliche Folgen, insbesondere für ungeborene Kinder, wie es in einer Mitteilung der Universität Basel heißt.

Analyse von 11,5 Millionen Geburten

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität Basel hat diese Sorge nun systematisch überprüft. Grundlage der Untersuchung waren Daten von rund 11,5 Millionen Geburten in den USA, erhoben über einen Zeitraum von 21 Jahren. Analysiert wurde, ob die Einführung der Trinkwasserfluoridierung mit Veränderungen beim Geburtsgewicht, der Schwangerschaftsdauer oder dem Risiko für Frühgeburten einherging.

Das Ergebnis sei klar: Es fanden sich keine negativen Effekte. „Wir konnten keinerlei messbare Unterschiede feststellen“, erklärt Erstautor Benjamin Krebs. Die Resultate wurden im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht.

Methodisch saubere Vergleiche

Die Forschenden nutzten Daten aus mehr als 670 US-Counties, die zwischen 1968 und 1988 erhoben wurden. Sie verglichen Geburten vor und nach der Einführung von Fluorid im Trinkwasser und setzten diese Entwicklungen in Beziehung zu Regionen ohne Fluoridierung. Auf diese Weise ließen sich regionale Besonderheiten und allgemeine zeitliche Trends statistisch herausrechnen.

Als zentraler Endpunkt diente das Geburtsgewicht, ein etablierter Indikator für die Gesundheit von Neugeborenen. Auch Frühgeburtenraten und die Dauer der Schwangerschaft wurden berücksichtigt. In keinem dieser Parameter zeigte sich jedoch ein negativer Einfluss der Fluoridexposition.

Politische Debatte in den USA

Die Ergebnisse erscheinen vor dem Hintergrund einer aufgeheizten politischen Diskussion besonders relevant. In den USA stehen Maßnahmen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge aktuell zunehmend unter Druck. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. lobte jüngst den Bundesstaat Utah, der die Trinkwasserfluoridierung verboten hatte, und forderte eine Neubewertung entsprechender Empfehlungen.

Genau hier setze die Studie an. Bevölkerungsweite Maßnahmen müssten regelmäßig und mit geeigneten Methoden überprüft werden, betont Krebs. Einzelne Studien, die Fluorid als schädlich darstellten, beruhten häufig auf Korrelationen und erlaubten keine kausalen Schlüsse.

Unterstützung für bestehende Empfehlungen

Mit ihrer großangelegten Analyse liefern die Forschenden nun allerdings belastbare Evidenz. Die Trinkwasserfluoridierung gehe nicht mit gesundheitlichen Nachteilen für Neugeborene einher. Damit stützten die Ergebnisse die bisherigen Empfehlungen zur Fluoridnutzung als effektive und sichere Maßnahme der Kariesprävention auf Bevölkerungsebene, so die Autoren abschließend.

 

Originalpublikation: Krebs B et al., Community Water Fluoridation and Birth Outcomes. JAMA Network Open 2026. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.54686