Allergie gegen Lokalanästhetika mit simplem Test abklären

Lokalanästhetika gehören zum Alltag in der Kinderzahnheilkunde. Bei Beschwerden nach der Injektion wird rasch eine Allergie vermutet – echte SoforttyReaktionen sind jedoch selten. Eine Studie zeigt, wie sich der Verdacht zuverlässig klären lässt.

Die Forschenden analysierten die Daten von 88 Kindern im Alter von durchschnittlich 8,5 Jahren, die zwischen Januar 2019 und August 2024 nach vermuteten unmittelbaren Reaktionen auf Lokalanästhetika vorgestellt wurden.

Auffällig war jedoch, dass in 67 Prozent der Fälle das konkret verwendete Präparat nicht eindeutig dokumentiert war. Bei bekanntem Wirkstoff handelte es sich am häufigsten um Articain oder Lidocain – zwei in der Zahnmedizin gängige Substanzen, wie die Autoren schreiben.

Schrittweise Teststrategie

Die Diagnostik folgte einem klaren, dreistufigen Schema. Zunächst führten die Ärzte einen Haut-Prick-Test durch. Fiel dieser negativ aus, schloss sich ein Intradermaltest in einer 1:10-Verdünnung an. War auch dieser unauffällig, wurde abschließend ein subkutaner Provokationstest vorgenommen.

Dieses stufenweise Vorgehen sollte das Risiko minimieren und gleichzeitig eine sichere Aussage ermöglichen, erklären die Autoren ihr Vorgehen.

Intradermaltest mit hoher Sicherheit

Bei 11 der 88 Kinder (12,5 Prozent) zeigte der Intradermaltest eine positive Reaktion. Am häufigsten betraf dies Articain, seltener Prilocain oder Lidocain.

Noch entscheidender für die Praxis sei jedoch ein anderer Wert: Der Intradermaltest in 1:10-Verdünnung hatte nämlich eine sehr hohe negative Vorhersagekraft von 99 Prozent. War also der Test negativ, konnte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine echte Soforttyp-Allergie ausgeschlossen werden.

Viele vermeintliche „Allergien“ beruhten nach Aussage der Autoren auf ganz anderen Ursachen, wie etwa Angstreaktionen, vasovagalen Synkopen oder toxischen Effekten. Ohne klare Diagnostik führe ein einmal geäußerter Allergieverdacht häufig zu langfristigen Einschränkungen bei künftigen Behandlungen.

Bedeutung für die Praxis

„Die Ergebnisse sprechen dafür, unser beschriebenes Stufenschema standardisiert anzuwenden. Besonders der Intradermaltest in 1:10-Verdünnung nach negativem Prick-Test erweist sich als zentraler Baustein der Diagnostik“, fassen die Autoren zum Abschluss kurz zusammen.

Auch bei Kindern mit schwerer Reaktionsanamnese, einschließlich anaphylaktischer Symptome, zeigt sich dieses Vorgehen als praktikabel und verlässlich. Eine strukturierte Teststrategie könne letztlich dabei helfen, echte Allergien sicher zu identifizieren und gleichzeitig unnötige Therapieeinschränkungen zu vermeiden.

 

Originalpublikation: Aslan S et al., Evaluation of diagnostic tests for immediate-type allergic reactions to amide group local anesthetics in children. PAI 2025; 36(4): e70085