Diabetes ist mit Zahn- und Implantatverlust verbunden

Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Parodontitis und Zahnverlust. Auch das Risiko für Entzündungen und Knochenverlust an Zahnimplantaten war höher. Dies sind die Ergebnisse einer Analyse aus Schweden.

Die Studie – eine Dissertation an der Uni Göteborg –­ basiert der Uni zufolge „auf einem umfassenden Datensatz aus sieben schwedischen Registern, der einen langen Zeitraum abdeckt und einen hohen Grad an Vollständigkeit aufweist“. Im Vergleich zu früheren Studien sei „die Stichprobe auffallend groß, insbesondere für Typ-1-Diabetes“, so die Uni. Konkret befasst sich die Arbeit mit dem Zusammenhang zwischen Diabetes und oralen Erkrankungen wie Parodontitis, Zahnverlust und Periimplantitis.

Ergebnisse: Zahnverlust und Diabetes

Die Analyse ergab, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes und schlechter Blutzuckerkontrolle ein erhöhtes Risiko für Parodontitis und Zahnverlust hatten, verglichen mit einer Kontrollgruppe ohne Diabetes. Bei Personen mit kontinuierlich guter Blutzuckerkontrolle waren jedoch keine derartigen Unterschiede festzustellen. Bei Typ-2-Diabetes war das Risiko für Parodontitis und Zahnverlust unabhängig von der Blutzuckerkontrolle erhöht. Der Zusammenhang war am stärksten, wenn die Blutzuckerkontrolle schlecht war. Umgekehrt war Parodontitis bei beiden Diabetes-Typen mit einem erhöhten Risiko für diabetesbedingte Augen- und Nierenkomplikationen verbunden.

Bei vorhandenen Zahnimplantaten haben Diabetiker ein höheres Risiko für Periimplantitis und Implantatverlust: Das Risiko eines vollständigen Zahnverlusts war besonders hoch bei Diabetikern, die zudem sozioökonomisch benachteiligt waren (geringeres Einkommen, kürzere Schulbildung).

Fazit: Zahnpflege Teil der Diabetes-Prävention

Die Dissertation untermauert nach Ansicht der Uni frühere Belege für einen Zusammenhang zwischen Diabetes und Munderkrankungen und „betont die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Gesundheits- und Zahnpflegeanbietern“. Die konkreten Erkenntnisse zu Zahnimplantaten seien hingegen „neuartig“. „In der Zahnmedizin sind sich die meisten des Zusammenhangs zwischen Diabetes und beeinträchtigter Mundgesundheit bewusst. Unsere Daten stützen die Auffassung, dass Zahnpflege Teil von Diabetes-Präventionsstrategien sein sollte“, erklärt die Autorin Dr. Anna Trullenque Eriksson.

Die Ergebnisse im Detail:

Typ-1-Diabetes (Analysen basierend auf 86.273 Personen; Durchschnittsalter 43 Jahre)

  • 33,9 % hatten über einen Zeitraum von 10 Jahren einen oder mehrere Zähne verloren (25,3 % bei denjenigen mit guter Blutzuckerkontrolle; 43,5 % bei denjenigen mit schlechter Kontrolle). In der Vergleichsgruppe ohne Diabetes kam es bei 29,0 % zu Zahnverlust.
  • 3,1 % hatten über einen Zeitraum von zehn Jahren fünf oder mehr Zähne verloren (gute Kontrolle: 1,0 %; schlechte Kontrolle: 5,6 %). Der entsprechende Wert für die Vergleichsgruppe lag bei 1,9 %.

Typ-2-Diabetes (Analysen basierend auf 786.305 Personen; Durchschnittsalter 60 Jahre)

  • 46,1 % hatten über einen Zeitraum von 10 Jahren einen oder mehrere Zähne verloren (44,0 % bei denjenigen mit guter Blutzuckerkontrolle; 54,9 % bei denjenigen mit schlechter Kontrolle). Bei den passenden Kontrollpersonen ohne Diabetes kam es bei 37,8 % zu Zahnverlust.
  • 7,0 % hatten über einen Zeitraum von zehn Jahren fünf oder mehr Zähne verloren (gute Kontrolle: 5,7 %; schlechte Kontrolle: 12,6 %). Der entsprechende Wert für die Kontrollgruppe lag bei 3,7 %.

Originalpublikation:

Thesis: Periodontal research using nationwide registry data

Quelle: Universität Göteborg