Antibiotikaresistenzen: Neues Tool unterstützt die Therapiewahl
Ein neues digitales Tool von RKI und BfArM bündelt Daten zur Antibiotikaresistenz in Deutschland. Es soll Ärzten helfen, geeignete Wirkstoffe auszuwählen und Resistenzen bei der Therapieentscheidung stärker zu berücksichtigen.
Welches Antibiotikum wirkt gegen welchen Erreger noch zuverlässig? Diese Frage stellt sich häufig in Arztpraxen und Kliniken. Ein neues digitales Tool des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bündelt Resistenzdaten aus Deutschland und soll Ärzten helfen, geeignete Antibiotika auszuwählen. So soll es Therapieversagen verhindern und der Ausbreitung von Resistenzen entgegenwirken.
Die Grundlage bildet die Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) des RKI. Sie erfasst Resistenzdaten aus dem ambulanten und stationären Bereich in Deutschland. Das Tool zeigt, wie hoch die Resistenzanteile für relevante Erreger-Antibiotikum-Kombinationen sind. Es ist auf der Internetseite des RKI abrufbar.
Resistenzanteile gezielt abrufen
Ärzte können gezielt nach relevanten Erregern und Antibiotika filtern und sich die entsprechenden Resistenzanteile anzeigen lassen. Die Übersicht unterscheidet zwischen Resistenzraten unter 10 %, zwischen 10 und 50 % sowie über 50 %. Sie kennzeichnet zudem Kombinationen mit unzureichender Datenlage und solche, bei denen eine intrinsische Resistenz besteht.
Die im Tool ausgewiesene Übersicht hat den Datenstand vom 9. September 2026 und beruht auf Daten aus dem Jahr 2025. Sie umfasst Kombinationen von in Deutschland zugelassenen Antibiotika mit Erregern, für die EUCAST erregerspezifische Breakpoints festgelegt hat. Fehlen Daten für eine Kombination, weist das Tool dies gesondert aus. Ein fehlender Wert ist daher nicht mit einer niedrigen Resistenzrate gleichzusetzen.
Nach EU-Recht müssen Fachinformationen für Antibiotika Angaben zur Resistenzlage enthalten. In der Praxis sind diese Informationen jedoch nicht immer aktuell und bislang nicht zentral abrufbar. Das neue Tool soll diese Lücke mit jährlich aktualisierten Daten aus der ARS schließen.
WHO-Kategorien unterstützen den gezielten Einsatz
Das Tool ordnet Antibiotika nach den AWaRe-Kategorien der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Access, Watch und Reserve. Access-Antibiotika sollen breit verfügbar sein und bevorzugt eingesetzt werden, sofern sie für die jeweilige Infektion geeignet sind. Watch-Antibiotika haben ein höheres Potenzial, Resistenzen zu fördern, und sollen gezielter zum Einsatz kommen. Reserve-Antibiotika sind für bestimmte schwere Infektionen mit multiresistenten Erregern vorgesehen und sollen restriktiv eingesetzt werden.
Das neue digitale Angebot soll einen verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz im Sinne des Antibiotic Stewardship fördern. Die Resistenzdaten unterstützen die Therapieentscheidung, ersetzen aber nicht die individuelle klinische Beurteilung.
Projekt AntibioResDE seit 2023
Das Tool ist Teil des Projekts AntibioResDE (Antibiotika-Resistenz Deutschland). Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) fördert das Vorhaben, das 2023 gestartet ist. RKI und BfArM setzen es gemeinsam um. Ziel ist es, aktuelle Erkenntnisse zur Antibiotikaresistenz fortlaufend aufzubereiten und medizinischem Fachpersonal übersichtlich und anwenderfreundlich zur Verfügung zu stellen.
Quelle:
- Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): RKI und BfArM entwickeln digitales Tool für bestmögliche Antibiotika-Therapie – Projekt AntibioResDE.
- Robert Koch-Institut (RKI): Pressemitteilung, 06.10.2026.
- Robert Koch-Institut (RKI): Resistenzübersicht — Bakterien × Antibiotika.
