Allergische Kontaktstomatitis gegen Zahnfüllungen
Allergische Reaktionen auf Dentalmaterialien sind selten, doch die Ergebnisse einer aktuellen Studie betonen, wie wichtig es ist, neben Metallen wie Nickel und Palladium auch Kunststoffe und natürliche Substanzen in Patch-Tests einzubeziehen.
Ziel der Studie war es, aktuelle Muster von Sensibilisierungen zu identifizieren und deren klinische Relevanz zu bewerten.
Die Untersuchung umfasste Daten von 2.730 Patientinnen und Patienten, die zwischen 2005 und 2019 getestet wurden. Diese Personen wiesen Symptome im Bereich des Mundes, der Lippen oder der perioralen Haut auf. Alle Probanden wurden mit verschiedenen Testreihen, darunter der deutschen Basistestserie sowie spezifischen Reihen für Metalle und Dentaltechniker, gepatcht.
Die Mehrheit der getesteten Teilnehmenden war weiblich (81,2 Prozent) und älter als 40 Jahre (92,8 Prozent).
Kontaktstomatitis selten, aber sehr breites Ursachenspektrum
Eine Allergische Kontaktstomatitis wurde im Allgemeinen eher selten diagnostiziert, war jedoch bei Frauen deutlich häufiger als bei Männern zu finden. Die höchsten Sensibilisierungsraten bei Frauen wurden für Nickel (28,6 Prozent), Palladium (21,4 Prozent) und Amalgam (10,9 Prozent) festgestellt. Auch natürliche Substanzen wie Propolis (6,8 Prozent) und „Peru-Balsam“ (11,4 Prozent) zeigten relevante Werte.
Unter den Acrylaten erwiesen sich insbesondere 2-Hydroxyethylmethacrylat (HEMA, 4,8 Prozent), 2-Hydroxypropylmethacrylat und andere Monomere als stark sensibilisierend.
Bei Männern waren die Sensibilisierungsraten am höchsten für Propolis (14,9 Prozent) und Amalgam (13,6 Prozent).
Bedeutung für die Praxis
Allergische Reaktionen auf Dentalmaterialien seien insgesamt selten, doch die Ergebnisse der vorliegenden Studie betonten die Notwendigkeit, neben Metallen wie Nickel und Palladium auch Acrylate und natürliche Substanzen wie Propolis in die Allergie-Patch-Tests einzubeziehen. „Unsere Analyse trägt dazu bei, potenzielle Risikofaktoren für Kontaktallergien besser zu verstehen und die Auswahl geeigneter Materialien für Patienten mit Allergierisiken zu optimieren“, erklären die Autoren zum Abschluss.
Die Ergebnisse unterstreichen einmal mehr, dass Fortschritte bei der Materialentwicklung und auch der zurückgehende Einsatz von Amalgam möglicherweise zu veränderten Sensibilisierungsprofilen führen könnten. [Anm. d. Red.: Mit dem EU-weiten Verbot von Amalgamfüllungen ab 1.1.2025 könnte dies wohl schon bald auch in der Praxis spürbar werden.]
Originalpublikation: Forkel S et al., Contact allergies to dental materials in patients. British Journal of Dermatology 2024; 190(6): 895–903. https://doi.org/10.1093/bjd/ljad525