Honig: die wohl süßeste Kariesprävention

Honig gilt bereits seit Jahrhunderten als Naturheilmittel. Eine aktuelle Übersichtsarbeit im FachjournalCureus untersuchte nun systematisch, ob die antibakteriellen Eigenschaften des Honigs auch zur Prävention von Zahnkaries beitragen können – mit durchaus differenziert zu betrachtendem Ergebnis.

Zahnkaries ist eine multifaktorielle, biofilmvermittelte Erkrankung, bei der insbesondere säurebildende Bakterien wie Streptococcus mutans eine zentrale Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund analysierte die vorliegende Übersichtsarbeit die potenzielle Rolle von Honig als ergänzendes Mittel in der präventiven Zahnmedizin.

Den Autoren zufolge weise Honig eine komplexe Zusammensetzung mit über 200 bioaktiven Substanzen auf, darunter Wasserstoffperoxid, Polyphenole und antimikrobielle Peptide. In vitro konnte bis dato wiederholt gezeigt werden, dass Honig das Wachstum kariogener Bakterien hemmen und die Bildung von Biofilmen reduzieren könne. Besonders wirksam erscheinen bestimmte Honigsorten wie Manuka-, Buchweizen- oder Honigtauhonig, wobei die antibakterielle Aktivität stark von Herkunft, Konzentration und Zusammensetzung abhänge, so die Autoren weiter.

Ein wesentlicher Wirkmechanismus scheint die Bildung von Wasserstoffperoxid zu sein, dessen enzymatische Inaktivierung die antibakterielle Wirkung deutlich reduziere. Zusätzlich tragen sogenannte exosomenähnliche Vesikel im Honig zur Membranschädigung von Bakterien bei und verstärken auf diese Weise zusätzlich den antimikrobiellen Effekt.

Wirkung auf Biofilm und Plaque

Neben der direkten antibakteriellen Aktivität zeige Honig auch Effekte auf dentale Biofilme. In experimentellen Studien konnte die metabolische Aktivität von Bakterien in bestehenden Biofilmen reduziert werden, während die Gesamtstruktur des Biofilms weitgehend erhalten blieb. Die Ergebnisse legen aus Sicht der Autoren nahe, dass Honig vor allem präventiv wirke, indem er die initiale Biofilmbildung hemmt, weniger jedoch bestehende Biofilme auflöst.

Klinische Studien lieferten allerdings bislang eher ein heterogenes Bild. Einige randomisierte Studien berichteten über eine Reduktion der Plaque, der bakteriellen Last und Gingivitis durch honigbasierte Mundspüllösungen. Allerdings zeigte sich konsistent, dass etablierte Antiseptika wie Chlorhexidin überlegen waren.

Interessant sei zudem die Beobachtung, dass Honig trotz seines Zuckergehalts eine weniger ausgeprägte und kürzer anhaltende pH-Absenkung verursache als beispielsweise die Saccharose. Die Autoren interpretieren dies als Hinweis auf ein möglicherweise geringeres kariogenes Potenzial im Vergleich zu herkömmlichen Zuckern.

Einfluss auf Zahnschmelz: Uneinheitliche Datenlage

Die Auswirkungen von Honig auf die Zahnhartsubstanz sind überdies bislang nicht eindeutig geklärt. In vitro zeigten einige Studien eine Verbesserung der Schmelzhärte und eine Reduktion der Oberflächenrauigkeit nach Anwendung honighaltiger Präparate, mit Effekten vergleichbar zum Fluorid.

Demgegenüber berichteten andere Untersuchungen über eine potenzielle Demineralisierung, insbesondere unter Bedingungen mit niedrigen pH-Werten und bakterieller Fermentation. Entscheidend scheine hierbei jedoch auch der Kontext zu sein: Faktoren wie Speichel, Expositionsdauer und mikrobielle Aktivität beeinflussten maßgeblich die Wirkung auf den Zahnschmelz.

Limitationen und klinische Relevanz

Ein zentrales Problem der aktuellen Evidenz liege in der fehlenden Standardisierung der untersuchten Honigprodukte. Unterschiede in botanischer Herkunft, physikochemischen Eigenschaften und Darreichungsform erschwerten die Vergleichbarkeit der Studien und limitierten letztlich die Übertragbarkeit auf die klinische Praxis, erklären die Autoren.

Zudem handele es sich überwiegend um Kurzzeitstudien oder experimentelle Designs. Langfristige klinische Daten zur Kariesinzidenz fehlten weitgehend. Die Autoren betonen daher zum Abschluss die Notwendigkeit gut konzipierter randomisierter Studien mit standardisierten Endpunkten und längeren Beobachtungszeiträumen.

Fazit

Die vorliegenden Daten legen nahe, dass Honig über relevante antibakterielle und antibiofilmaktive Eigenschaften verfügt und somit als ergänzendes Mittel in der oralen Prävention in Betracht gezogen werden könnte. Seine klinische Wirksamkeit bleibe jedoch hinter etablierten Maßnahmen wie Fluoridierung und Chlorhexidin zurück.

Aufgrund der heterogenen Datenlage und potenziell auch schmelzschädigender Effekte unter bestimmten Bedingungen sei ein routinemäßiger Einsatz in der Kariesprävention derzeit dennoch nicht gerechtfertigt.

 

Originalpublikation: Valente P et al., The Role of Honey in Dental Caries Prevention: A Narrative Review. Cureus 2026; 18(4): e106948