Das am häufigsten mutierte Tumor-Gen ist entschlüsselt

Forschende haben Mutationen des Tumorsuppressor-Gens TP53 umfassend charakterisiert. Damit könnte in Zukunft eine präzisere Bewertung möglich sein, ob eine vererbte Mutation das Krebsrisiko erhöht oder harmlos ist.

Ein Team der Philipps-Universität Marburg hat umfassende Erkenntnisse über das TP53-Tumorsuppressor-Gen gewonnen, das als das am häufigsten mutierte Gen bei Krebserkrankungen gilt. Erstmals wurde das nahezu vollständige Spektrum der Mutationen dieses Gens anhand von Daten von mehr als 100.000 Patienten systematisch analysiert. Mithilfe von CRISPR-Technologie konnten die Forschenden Auswirkungen von mehr als 9.000 Mutationen im TP53-Gen auf die Fitness von Tumorzellen detailliert charakterisieren.

TP53-Genschützt Zellen eigentlich vor unkontrolliertem Wachstum

Das TP53-Gen ist ein sogenanntes Tumorsuppressorgen, das Zellen vor unkontrolliertem Wachstum schützt und somit die Entstehung von Krebs verhindert. Mutationen in diesem Gen führen bei etwa der Hälfte aller Krebspatienten zu einem Verlust dieser Schutzfunktion. Werden solche Mutationen vererbt, können sie zudem das Risiko für Tumorerkrankungen im Laufe des Lebens erheblich erhöhen. Doch die Vielfalt an TP53-Mutationen – über 2.000 Varianten sind bekannt – hat bisher eine gezielte Nutzung in der klinischen Praxis erschwert. „Die Ergebnisse unserer Studie bieten nun eine solide Grundlage, um die klinische Relevanz jeder einzelnen Mutation besser einzuordnen“, erläutert die Erstautorin der Studie, Dr. Julianne Funk.

„Unsere Arbeit ermöglicht eine präzisere Bewertung, ob eine vererbte Mutation das Krebsrisiko erhöht oder harmlos ist. Das ist ein entscheidender Fortschritt für die humangenetische Beratung“, erklärt Institutsleiter Prof. Dr. Thorsten Stiewe. Darüber hinaus konnten therapeutisch relevante Mutationen identifiziert werden, die das Ansprechen auf Chemotherapie, Bestrahlung oder moderne molekulare Therapeutika beeinflussen.

Mutationen wurden erstmals direkt im Erbgut der Zellen erzeugt

Die Studie zeichnet sich durch eine innovative Methodik aus: Statt Mutationen künstlich zu überexprimieren, wurden diese erstmals direkt im Erbgut der Zellen erzeugt. „Durch den Einsatz der CRISPR-Technologie konnten wir das komplexe Zusammenspiel zwischen Mutationen und ihrer Funktion im natürlichen Zellkontext analysieren“, erläutert Autorin Dr. Maria Klimovich.

Gefördert wurden die Arbeiten durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) und den LOEWE-Schwerpunkt iCANx.

Funk, J.S., Klimovich, M., Drangenstein, D. et al. Deep CRISPR mutagenesis characterizes the functional diversity of TP53 mutations. Nat Genet (2025). doi.org/10.1038/s41588-024-02039-4

„Diabetes und Parodontitis“

Erstmals ist nach den Regularien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) eine S2k-Leitlinie zu dem Thema ,,Diabetes und Parodontitis“ entwickelt worden. Federführend durch die DG Paro, die DDC sowie die DGZMK wurde in Zusammenarbeit mit elf weiteren beteiligten Fachgesellschaften und Institutionen eine breit konsentierte Orientierungshilfe erarbeitet.

Die hohe Prävalenz und Inzidenz von Diabetes mellitus in Deutschland verlangen verstärkte Bemühungen, um die Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus zu optimieren. Gleichzeitig leiden Diabetiker überzufällig häufig an einer Entzündung des Zahnhalteapparates, der Parodontitis, einer anderen hochprävalenten Volkskrankheit. Beide Erkrankungen stehen in einer bidirektionalen Beziehung zueinander und beeinflussen sich wechselseitig in Entstehung, Progression und Therapie. Ziel dieser Leitlinie ist es, die an der Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie bei der Erkrankung beteiligten Fachdisziplinen so wie die betroffenen Patienten über diese Zusammenhänge aufzuklären und damit die Qualität der Versorgung zu verbessern. Diese Leitlinie richtet sich an Zahnärzte, insbesondere Parodontologen, Implantologen und Fachärzte für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Arzte aller beteiligten Fachrichtungen, insbesondere Diabetologen, Ernährungsmediziner, Fachärzte für innere Medizin, Fachärzte für Endokrinologie und dient zur Information aller Ärzte aller weiteren Fachrichtungen. Weitere Adressaten sind zahnärztliches und ärztliches Fach- und Pflegepersonal. Diese Leitlinie dient zur Information für Allgemeinmediziner und Hausärzte. Das zahnärztliche Team sollte eine Rolle bei Screening/Erkennung eines erhöhten Diabetesrisikos und der Identifizierung unerkannter Diabetesfälle spielen, Arzte sollten über parodontale Erkrankungen und ihre Implikationen für die Blutzuckerkontrolle und Komplikationen bei Menschen mit Diabetes informiert sein. Diese Leitlinie gibt diesbezügliche konsensbasierte Empfehlungen für das ärztliche und zahnärztliche Team sowie für Patienten mit Diabetes und / oder Parodontitis.
www.dgzmk.de

Kariesbehandlung mit Silberdiaminfluorid

In einem aktuellen Cochrane Review wurde die Wirkung von Silberdiaminfluorid zur Vorbeugung und Behandlung von Karies bei Milchzähnen und bleibenden Zähnen untersucht.

In einem neuen Cochrane Review wurde die Wirkung von Silberdiaminfluorid (SDF) zur Vorbeugung und Behandlung von Karies bei Milchzähnen und bleibenden Zähnen (Koronal- und Wurzelkaries) untersucht und mit anderen Behandlungen, einem Placebo sowie einer nicht-Behandlung verglichen. Die Evidenz für SDF wird von den Forschenden als sehr gering eingestuft.

Für das Review wurden klinische Studien bis Juni 2023 ausgewertet. Berücksichtigt wurden ausschließlich randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit Parallelgruppen- oder Split-Mouth-Design bei Kindern und Erwachsenen (mit oder ohne kariöse Läsionen), in denen SDF mit einem Placebo oder einer nicht-Behandlung verglichen wurde. Insgesamt wurden 29 RCTs (13.036 Teilnehmer; 12.020 Kinder, 1.016 ältere Erwachsene) in die Datenerhebung einbezogen.

SDF kann neue Wurzelkaries verhindern

14 Studien mit insgesamt 2.695 Kindern und 905 Erwachsenen verglichen SDF mit einem Placebo oder nicht-Behandlung. Die Ergebnisse zeigen, dass SDF neue Kariesläsionen im Milchgebiss und an bleibenden Zähnen verhindern (unsichere Evidenz) und neuer Wurzelkaries vorbeugen kann (mittlere Evidenz). Ein Vergleich von SDF mit Fluoridlack wurde in acht Studien mit insgesamt 2.868 Kindern und 223 Erwachsenen vorgenommen. Im Milchgebiss zeigte sich ein geringer bis kein Unterschied bei der Kariesprävention (Evidenz gering) – im bleibenden Gebiss war die Evidenz sehr unsicher.

Bei dem Vergleich von SDF gegenüber Versiegelungen und Harzinfiltration (2 Studien, 343 Kinder) konnte kein Fazit gezogen werden, weil die Evidenz zu gering war. Auch bei dem Vergleich von SDF versus atraumatische restaurative Behandlung (ART) mit Glasionomerzement oder GI-Material (4 Studien, 610 Kinder) konnte kein Material als besser in Bezug auf Kariesprävention oder -behandlung herausgearbeitet werden, da die Evidenz nicht ausreichend war.

Sehr geringe Beweissicherheit in allen Studien

Allen Studien gemein war ein hohes Verzerrungsrisiko, in manchen Studien waren die Stichprobengrößen zu klein, um genaue Ergebnisse zu liefern. Unterschiedliche Anwendungsintervalle beziehungsweise die Häufigkeit der Anwendung konnten nicht abschließend bewertet werden, weil in allen Studien eine sehr geringe Beweissicherheit vorlag. Über Verfärbungen als unerwünschte Wirkung lagen nur sehr wenige Berichte vor.

„Im Milchgebiss ist nicht eindeutig geklärt, ob SDF im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung die Entstehung neuer Karies oder das Fortschreiten bestehender Karies verhindert, aber sie könnte im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung einen Vorteil bei der Verhinderung von Karies bieten„, schlossfolgern die Autoren. “Im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung trägt SDF wahrscheinlich auch zur Verhinderung neuer Wurzelkaries bei. Allerdings ist die Evidenz für andere Kariesergebnisse in diesem Gebiss und für alle Kariesergebnisse für koronale Oberflächen des bleibenden Gebisses unsicher.“ [Worthington et al., 2024].

Worthington HV, Lewis SR, Glenny A-M, Huang SS, Innes NPT, O’Malley L, Riley P, Walsh T, Wong MC, Clarkson JE, Veitz-Keenan A. Topical silver diamine fluoride (SDF) for preventing and managing dental caries in children and adults. Cochrane Database of Systematic Reviews 2024, Issue 11. Art. No.: CD012718. DOI: 10.1002/14651858.CD012718.pub2. Accessed 21 November 2024.

Bewegung kann das Leben um 5 Jahre verlängern!

Australische Studie zum Effekt körperlicher Betätigung

Das aktivste Viertel der Bevölkerung hat ein um 73 Prozent geringeres Sterberisiko als das am wenigsten aktive Viertel. Das zeigt eine Studie unter der Leitung der Griffith University in Australien.

Es ist seit Langem bekannt, dass körperliche Betätigung sich positiv auf die Gesundheit auswirkt. Allerdings gibt es unterschiedliche Schätzungen darüber, wie groß der Nutzen eines bestimmten Maß an Betätigung für den Einzelnen und für die Bevölkerung sein kann.

Ein Spaziergang bringt Couchpotatoes 6 Stunden Lebenszeit

Im Unterschied zu früheren Studien, die in erster Linie auf Umfragen basierten, verwendeten die Forschenden für ihre aktuelle Arbeit Gesundheitsmessdaten aus den USA (Bewegungs- und Sterbedaten des „National Centre for Health Statistics“ und der „2003-2006 National Health and Nutritional Examination Survey“), um ein genaues Bild von dem körperlichen Aktivitätsniveau der Bevölkerung zu erhalten.

Im Ergebnis stellten sie einen etwa doppelt so großen Nutzen fest wie in früheren Schätzungen. So könnten Personen über 40 Jahre ihr Leben um fünf Jahre verlängern, wären sie so aktiv wie die oberen 25 Prozent der Bevölkerung. Für dieses am wenigsten aktive Viertel könnte ein einziger einstündiger Spaziergang potenziell einen Vorteil von etwa sechs zusätzlichen Lebensstunden bringen.

Abhängen ist so schädlich wie Rauchen

Diese Kohorte habe das größte Potenzial für gesundheitliche Verbesserungen, sagte Studienleiter Prof. Lennert Veerman. „Wenn Sie bereits sehr aktiv sind oder zu diesem oberen Viertel gehören, macht eine zusätzliche Stunde Spaziergang möglicherweise keinen großen Unterschied, da Sie Ihren Nutzen in gewissem Sinne bereits ‚maximiert‘ haben.“

„Wenn es etwas gibt, was man tun kann, um sein Sterberisiko mehr als zu halbieren, dann ist körperliche Aktivität enorm wirkungsvoll“, sagte er. Darüber hinaus könnte ein aktiverer Lebensstil auch vor Herzkrankheiten, Schlaganfällen, bestimmten Krebsarten und anderen chronischen Krankheiten schützen.

Das Forschungsteam vermutet, dass ein geringes Maß an körperlicher Aktivität sogar mit den negativen Auswirkungen des Rauchens mithalten kann. Andere Forschungsergebnisse haben ergeben, dass jede Zigarette das Leben eines Rauchers um 11 Minuten verkürzen kann.

„Wenn wir mehr in die Förderung körperlicher Aktivität investieren und Lebensumgebungen schaffen, die diese fördern, wie zum Beispiel fußgänger- oder fahrradfreundliche Viertel und bequeme, erschwingliche öffentliche Verkehrsmittel, könnten wir nicht nur die Lebenserwartung erhöhen, sondern auch den Druck auf unsere Gesundheitssysteme und die Umwelt verringern.“

Veerman L, Tarp J, Wijaya R, et al Physical activity and life expectancy: a life-table analysis British Journal of Sports Medicine Published Online First: 14 November 2024. doi: 10.1136/bjsports-2024-108125

Lebensstil bestimmt orales Mikrobiom

Eine in Nepal durchgeführte Studie zeigt, dass das orale Mikrobiom deutlich vom Lebensstil und der Ernährung geprägt wird.

Eine aktuelle Preprint-Studie unter der Leitung von Forschenden der Penn State University (USA) zeigt, dass der Lebensstil maßgeblich die Zusammensetzung des oralen Mikrobioms beeinflusst. Das internationale Team untersuchte, wie sich das orale Mikrobiom in einer Reihe von Subsistenzstrategien unterscheidet – von nomadischen Jägern und Sammlern über Bauern bis hin zu industrialisierten Gruppen. Neben dem Lebensstil zeigten auch bestimmte Lebensstilfaktoren wie Rauchen deutlich Einflüsse auf das Mikrobiom.

Ein gesundes orales Mikrobiom spielt eine wichtige Rolle bei der Verdauung von Nahrungsmitteln, der Unterstützung des Immunsystems und dem Schutz vor eindringenden Krankheitserregern, während ein ungesundes orales Mikrobiom mit einer Vielzahl von Krankheiten beim Menschen in Verbindung gebracht wurde.

Für die Studie wurde das orale Mikrobiom von 63 Nepalesin, die ein breites Spektrum von Subsistenzstrategien (die Art und Weise, wie lebensnotwendigen Güter und Nahrung beschafft werden) aufwiesen. Dazu gehörten Jäger und Sammler, die nicht an einem festen Ort leben; Subsistenzbauern, die sich erst vor Kurzem niedergelassen und in den vergangenen 50 Jahren mit der Landwirtschaft begonnen haben; Landwirte, die seit mehreren Jahrhunderten auf die Landwirtschaft angewiesen sind; aus Nepal in die USA ausgewanderte Personen sowie eine Vergleichsgruppe von Personen, die in den USA geboren sind. Neben der Ernährung wurden auch Bildung, medizinische Praktiken und andere Verhaltensweisen wie Rauchen berücksichtigt.

Keine signifikanten Unterschiede in Alpha-Diversität

Die Forschenden sequenzierten die DNA der Mikroben in Speichelproben, um die spezifischen Bakterienarten im oralen Mikrobiom jedes Individuums zu bestimmen. Sie fanden heraus, dass die Zusammensetzung der Arten innerhalb des oralen Mikrobioms tendenziell dem Gradienten der Subsistenzstrategien folgte, wobei einige bestimmte Arten bei den Sammlern und eine Art bei den Industriellen stärker ausgeprägt waren, was darauf hindeutet, dass der Lebensstil tatsächlich das orale Mikrobiom beeinflusst. Die Alpha-Diversität unterschied sich allerdings nicht signifikant.

Darüber hinaus wurde das Vorhandensein mehrerer Arten von Mikroben mit bestimmten Lebensstilfaktoren in Verbindung gebracht, darunter das Rauchen, die prominente Getreidesorte in der Ernährung eines Individuums – Gerste und Mais versus Reis und Weizen – und der Verzehr von Brennnesseln. Brennnessel wurde von den Sammlern in dieser Studie oft gekaut, ähnlich wie Menschen Kaugummi kauen würden. Zudem spielt Brennnessel eine wichtige Rolle in der nepalesischen Küche, Kultur und Medizin.

„Die relative Abundanz mehrerer einzelner Taxa, einschließlich Streptobacillus und einer nicht klassifizierten Gattung Porphyromonadaceae, spiegelt ebenfalls die Lebensweise wider. Schließlich identifizieren wir spezifische Lebensstilfaktoren, die mit der Zusammensetzung des Mikrobioms über den Gradienten der Lebensstile hinweg verbunden sind, einschließlich Rauchen und Getreidequellen“, fassen die Forschenden die Ergebnisse zusammen.

Ryu EP, Gautam Y, Proctor DM, Bhandari D, Tandukar S, Gupta M, Gautam GP, Relman DA, Shibl AA, Sherchand JB, Jha AR, Davenport ER. Nepali oral microbiomes reflect a gradient of lifestyles from traditional to industrialized. bioRxiv [Preprint]. 2024 Jul 3:2024.07.01.601557. doi: 10.1101/2024.07.01.601557. PMID: 39005279; PMCID: PMC11244963.

Keine Nation trinkt so viel Zucker wie die Deutschen

In keinem anderen großen westeuropäischen Land nehmen die Menschen so viel Zucker über gesüßte Getränke auf wie in Deutschland, teilt die Verbraucherorganisation foodwatch mit.

Dabei bezieht sich die Organisation auf Zahlen des Marktforschungsinstituts Euromonitor zu den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Ländern. „Demnach lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker über Softdrinks hierzulande im Jahr 2023 bei durchschnittlich 23 Gramm pro Tag beziehungsweise etwa 8,5 Kilogramm pro Jahr – der höchste Wert in dem Ländervergleich“, so das Analyseergebnis von foodwatch.

86 Prozent der Kinder-Getränke sind überzuckert

Dabei kamen die Verbraucherschutzer außerdem zu dem Ergebnis, dass die Deutschen mehr Zucker über Getränke konsumieren als über Süßwaren: „Über Schokolade, Bonbons & Co. nahmen sie knapp 22 Gramm pro Tag beziehungsweise rund 7,9 Kilogramm pro Jahr auf.“

Höchste Zeit für eine „Limo-Steuer“

Die Verbraucherorganisation forderte erneut die Einführung einer „Limo-Steuer“ nach britischem Vorbild. Der Vergleich mit Großbritannien zeige den Erfolg der dort 2018 eingeführten Abgabe: War der Zuckerkonsum über Süßgetränke in den beiden Ländern vorher etwa gleich hoch, sank er in Großbritannien nach Angaben von foodwatch bereits durch die Ankündigung der Steuer drastisch und liegt nun ganze fünf Gramm pro Tag und Kopf unter dem deutschen Niveau.

Mit Künstlicher Intelligenz nach neuen Antibiotika suchen

Eine deutsch-französische Arbeitsgruppe aus drei Forschern entwickelt einen neuen KI-basierten Ansatz für die Suche nach neuen Antibiotika. Dafür erhalten sie jetzt insgesamt elf Millionen Euro Forschungsgeld.

Die Professoren Ivo Boneca (Institut Pasteur, Paris), Mark Brönstrup (Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Braunschweig, und Deutsches Zentrum für Infektionsforschung) und Christophe Zimmer (Universität Würzburg) erhalten gemeinsam einen der renommiertesten europäischen Forschungspreise, den mit elf Millionen Euro dotierten ERC Synergy Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC). Das Trio verfolgt einen auf KI basierenden Ansatz, um die systematische Suche nach neuen Antibiotika deutlich effizienter zu machen.

Antibiotika mit neuen Wirkmechanismen gesucht

Antibiotikaresistenzen gehören zu den drängendsten Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Um solchen Resistenzen entgegenzuwirken, braucht die Menschheit dringend neue Antibiotika – vor allem solche mit komplett neuartigen Wirkmechanismen.

Bei der Suche nach Antibiotika kommen heute groß angelegte Screening-Verfahren zum Einsatz. Damit lassen sich aus einer Vielzahl potenzieller Wirkstoffe relativ schnell Verbindungen identifizieren, die das Bakterienwachstum beeinträchtigen. „Doch die üblichen Verfahren können nicht vorhersagen, wo genau die Wirkstoffe die Bakterien angreifen und mit welchen Mechanismen“, erklärt Brönstrup. Dafür seien bislang weitere, oft sehr zeitaufwändige Arbeitsschritte nötig.

Die Kooperationspartner wollen deshalb ein weitgehend neues Verfahren für die systematische Antibiotika-Suche zu entwickeln. Es soll neue Antibiotika-Kandidaten identifizieren und gleichzeitig Informationen über deren Bioaktivität und Wirkmechanismen liefern.

Sieben wichtige Krankheitserreger im Fokus

Zunächst will das Team insgesamt sieben Bakterienspezies, darunter gefährliche Krankheitserreger, mit modernsten Methoden analysieren, um ihre zellulären und molekularen Merkmale zu bestimmen: Bacillus subtilis, Escherichia coli, Helicobacter pylori, Mycobacterium abscessus, Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus und Yersinia pseudotuberculosis. Im Ergebnis sollen Datensätze in noch nie dagewesenem Umfang generiert werden, die detaillierte Informationen über diese Bakterien und deren genetische Mutanten enthalten.

Deep-Learning-Analysen sollen dann dafür sorgen, dass aus diesem Datenschatz Angriffsziele für Antibiotika mit neuartigen Wirkmechanismen aufgedeckt werden. „Mit diesem Ansatz werden wir synthetische Molekülbibliotheken und Naturstoffe vielleicht sogar aus komplexen Mischungen zielgenau daraufhin untersuchen, ob sie potenzielle neue antibiotische Wirkstoffe enthalten und um ihre molekularen Mechanismen rechnerisch vorherzusagen“, sagt Zimmer.

Projektdauer beträgt sechs Jahre

Das ERC-Projekt „Deep learning analysis of imaging and metabolomic data to accelerate antibiotic discovery against antimicrobial resistance (AI4AMR)” startet 2025 und läuft sechs Jahre.

So verändert Rauchen das orale Mikrobiom – Studie aus Südafrika –

Rauchen kann das orale Mikrobiom so beeinflussen, dass bestimmte Bakterien an Dominanz gewinnen und verschiedene orale sowie systemische Erkrankungen begünstigen.

Forschende untersuchten in einer Fall-Kontroll-Studie das orale Mikrobiom von Rauchern und verglichen es mit dem von Nicht-Rauchern. Sie konnten deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung feststellen. Raucher wiesen im Vergleich deutlich mehr anaerobe, gramnegative Bakterien auf.

Mehr Fusobacterium und Campylobacter

Für die Studie analysierten die Forschenden subgingivale Plaque-Proben von 128 Probanden einer südafrikanischen Population (davon 57 Raucher) mit Hilfe einer 16S rRNA-Gen-Sequenzierung. Raucher wiesen weniger Actinobakterien (anaerob/aerob) auf als Nicht-Raucher, während Fusobacterium und Campylobacter (beide anaerob) vermehrt gefunden wurden. Beide Bakterien sind häufig auch beim Fortschreiten von parodontalen Erkrankungen involviert.

„Fusobacterium spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von dentalen Biofilmen und könnte erklären, warum Rauchen nachweislich die Bildung von Biofilmen fördert“, erläutern die Autoren [Prince et al., 2024]. Des Weiteren steht Fusobacterium nucleatum auch in Zusammenhang mit systemischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ II. In den Analysen kamen Leptotrichia, Actinomyces, Corynebacterium und Lautropia bei Rauchern im Vergleich zu Nicht-Rauchern weniger häufig vor.

Fazit: Rauchende haben ein pathogenreiches Mikrobiom

Die Forschenden weisen darauf hin, dass auch Faktoren wie Ernährung, pH-Wert-Veränderungen, Interaktionen zwischen Mikroorganismen sowie unterschiedliche Orte der Probenentnahme die Ergebnisse beeinflusst haben können. Der kleine Probandenpool sowie das Studiendesign können als Limitationen angesehen werden. „Trotz dieser Einschränkungen können wir schlussfolgern, dass die subgingivale Mikrobiota von Rauchern ein sehr vielfältiges, pathogenreiches, gramnegatives anaerobes Mikrobiom aufweist, das eher einer mit Parodontalerkrankungen assoziierten Gemeinschaft bei klinisch gesunden Personen entspricht“ fassen Prince et al. die Ergebnisse zusammen [2024]. Sie resümieren, dass Rauchen die Dominanz bestimmter oraler Mikroorganismen und dadurch auch das Entstehen und Fortschreiten parodontaler Erkrankungen begünstigen kann.

Prince Y, Davison GM, Davids SFG, et al. The effect of cigarette smoking on the oral microbiota in a South African population using subgingival plaque samples. Heliyon. 2024 May 21;10(10):e31559. doi: 10.1016/j.heliyon.2024.e31559. PMID: 38831830; PMCID: PMC11145493.

Zuckerkonsum ist mit Depressionsrisiko verbunden

Menschen, die viel Süßes sowie gesüßte Getränke zu sich nehmen, könnten – neben anderen Allgemeinerkrankungen – ein höheres Risiko für Depressionen haben.

Aktuelle Studiendaten zeigen, dass Menschen mit hohem Zuckerkonsum ein deutlich höheres Risiko für Depressionen haben können. Dahingegen kann eine gesunde Ernährung die Gesundheit positiv beeinflussen und das Risiko für verschiedene Allgemeinerkrankungen senken.

Die Forschenden analysierten die Antworten eines online-Fragebogens zur Lebensmittelpräferenz von mehr als 180.000 Teilnehmenden der UK Biobank. Die Probandinnen und Probanden beantworteten insgesamt 140 Fragen zu favorisierten Nahrungsmitteln und Essgewohnheiten. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz wurden Ernährungsmuster und deren Auswirkungen auf den Gesundheitszustand sowie Biomarker im Blut ermittelt. Die Teilnehmenden wurden anhand ihrer Ernährungspräferenzen einer von drei Hauptgruppen zugeteilt: Gesundheitsbewusste (hohe Präferenz für Gemüse und Obst und geringe Präferenz für Süßes oder tierische Produkte), „Alles-Esser“ (unspezifisches Essverhalten, keine bestimmten Vorlieben) und „Naschkatzen“ (Präferenz für süße Lebensmittel und Getränke).

31 Prozent höheres Risiko für Depressionen

Die Ergebnisse zeigen, dass die Gruppe der Gesundheitsbewussten ein geringeres Risiko für Herzversagen und chronische Nierenerkrankungen hatte als die beiden anderen Gruppen. Die Gruppe der Naschkatzen wies hingegen ein höheres Diabetes- und Schlaganfallrisiko sowie ein um 31 Prozent höheres Risiko für Depressionen auf als die anderen Gruppen. Während sich das relative Krebsrisiko (insgesamt) zwischen den Gruppen kaum unterschied, zeigte die gesundheitsbewusste Gruppe vergleichsweise niedrige Entzündungs-Biomarker (unter anderem C-reaktives Protein), die mit kardiovaskulären Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden. Dafür konnten höhere Werte von nützlichen Proteinen wie Ketonkörper und Insulin-ähnliche Wachstumsfaktor-bindende Proteine (IGFBP) gefunden werden.

Die Ergebnisse zeigen einen gesundheitlichen Vorteil der gesundheitsbewussten Gruppe. Die Forschenden sehen einen „direkten Zusammenhang zwischen Lebensmittelpräferenzen und Krankheitsrisiko […] und eine Verbindung zu biochemischen Unterschieden und biochemischen Signalwegen […], einschließlich Leptin, GH1 und IGFBP.“ [et al., 2024]. Bei der Interpretation der Ergebnisse sollte allerdings beachtet werden, dass es sich bei der Studie um eine Befragung handelt und genetische Faktoren sowie andere Störvariablen nicht berücksichtigt wurden, der Probandenpool aber vergleichsweise groß war.

Navratilova HF, Whetton AD, Geifman N. Artificial intelligence driven definition of food preference endotypes in UK Biobank volunteers is associated with distinctive health outcomes and blood based metabolomic and proteomic profiles. J Transl Med. 2024 Oct 1;22(1):881. doi: 10.1186/s12967-024-05663-0. PMID: 39354608; PMCID: PMC11443809.

Menschen, die viel Süßes sowie gesüßte Getränke zu sich nehmen, könnten – neben anderen Allgemeinerkrankungen – ein höheres Risiko für Depressionen haben.

Aktuelle Studiendaten zeigen, dass Menschen mit hohem Zuckerkonsum ein deutlich höheres Risiko für Depressionen haben können. Dahingegen kann eine gesunde Ernährung die Gesundheit positiv beeinflussen und das Risiko für verschiedene Allgemeinerkrankungen senken.

Die Forschenden analysierten die Antworten eines online-Fragebogens zur Lebensmittelpräferenz von mehr als 180.000 Teilnehmenden der UK Biobank. Die Probandinnen und Probanden beantworteten insgesamt 140 Fragen zu favorisierten Nahrungsmitteln und Essgewohnheiten. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz wurden Ernährungsmuster und deren Auswirkungen auf den Gesundheitszustand sowie Biomarker im Blut ermittelt. Die Teilnehmenden wurden anhand ihrer Ernährungspräferenzen einer von drei Hauptgruppen zugeteilt: Gesundheitsbewusste (hohe Präferenz für Gemüse und Obst und geringe Präferenz für Süßes oder tierische Produkte), „Alles-Esser“ (unspezifisches Essverhalten, keine bestimmten Vorlieben) und „Naschkatzen“ (Präferenz für süße Lebensmittel und Getränke).

31 Prozent höheres Risiko für Depressionen

Die Ergebnisse zeigen, dass die Gruppe der Gesundheitsbewussten ein geringeres Risiko für Herzversagen und chronische Nierenerkrankungen hatte als die beiden anderen Gruppen. Die Gruppe der Naschkatzen wies hingegen ein höheres Diabetes- und Schlaganfallrisiko sowie ein um 31 Prozent höheres Risiko für Depressionen auf als die anderen Gruppen. Während sich das relative Krebsrisiko (insgesamt) zwischen den Gruppen kaum unterschied, zeigte die gesundheitsbewusste Gruppe vergleichsweise niedrige Entzündungs-Biomarker (unter anderem C-reaktives Protein), die mit kardiovaskulären Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden. Dafür konnten höhere Werte von nützlichen Proteinen wie Ketonkörper und Insulin-ähnliche Wachstumsfaktor-bindende Proteine (IGFBP) gefunden werden.

Die Ergebnisse zeigen einen gesundheitlichen Vorteil der gesundheitsbewussten Gruppe. Die Forschenden sehen einen „direkten Zusammenhang zwischen Lebensmittelpräferenzen und Krankheitsrisiko […] und eine Verbindung zu biochemischen Unterschieden und biochemischen Signalwegen […], einschließlich Leptin, GH1 und IGFBP.“ [et al., 2024]. Bei der Interpretation der Ergebnisse sollte allerdings beachtet werden, dass es sich bei der Studie um eine Befragung handelt und genetische Faktoren sowie andere Störvariablen nicht berücksichtigt wurden, der Probandenpool aber vergleichsweise groß war.

Navratilova HF, Whetton AD, Geifman N. Artificial intelligence driven definition of food preference endotypes in UK Biobank volunteers is associated with distinctive health outcomes and blood based metabolomic and proteomic profiles. J Transl Med. 2024 Oct 1;22(1):881. doi: 10.1186/s12967-024-05663-0. PMID: 39354608; PMCID: PMC11443809.

Neue Erkenntnisse zur Häufigkeit und den Risiken von oralen Infektionen mit HPV bei Männern

US-Krebsforscher aus Florida haben herausgefunden, wie häufig bei Männern orale HPV-Infektionen auftreten, welche Faktoren die Ansteckung beeinflussen und wie die Infektionsraten regional variieren.

Eine neue Studie hat entscheidende Informationen über die Häufigkeit und die Risikofaktoren von oralen Infektionen mit dem humanen Papillomavirus (HPV) bei Männern in den Vereinigten Staaten, Mexiko und Brasilien ans Licht gebracht.

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler am Moffitt Cancer Center in Tampa, Florida, 3.137 Männer aus den USA, Mexiko und Brasilien zwischen 2005 und 2009 im Mittel 57 Monate lang auf neue HPV-Infektionen hin beobachtet. Die Inzidenzrate für ein orales onkogenes HPV betrug 2,4 pro 1.000 Personenmonate, variierte nicht mit dem Alter und blieb während des gesamten Untersuchungszeitraums konstant, was auf ein anhaltendes Risiko hindeutet.

Auch krankheitsbedingter Zahnverlust ist ein Risiko

Die von Dr. Anna Giuliano geleitete Studie ergab, dass das Risiko, sich oral mit HPV zu infizieren, in den USA im Vergleich zu Brasilien und Mexiko deutlich höher ist: 90 Prozent aller Fälle betrafen Männer in den USA.

Die Forschenden identifizierten außerdem mehrere Schlüsselfaktoren, die mit einem höheren Risiko einer oralen HPV-Infektion verbunden sind:

  • Alter: Männer bleiben ihr Leben lang anfällig für orale HPV-Infektionen.
  • Bildungsniveau: Männer mit höherer Bildung hatten ein erhöhtes Infektionsrisiko.

  • Alkoholkonsum: Ein höherer Alkoholkonsum war mit einem höheren Risiko verbunden.

  • Sexuelles Verhalten: Das Risiko war bei Männern mit mehreren weiblichen Sexualpartnern, bei Männern, die häufig Oralverkehr hatten, und bei Männern mit männlichen Sexualpartnern erhöht.

  • Mundgesundheit: Auch der Verlust von Zähnen aufgrund einer Erkrankung im Mundraum war mit einem geringfügig erhöhten Risiko verbunden.

„Unsere Studie betont, wie wichtig es ist, weiterhin vor oralen HPV-Infektionen auf der Hut zu sein“, sagte Studienleiterin Dr. Anna Giuliano. „Die gleichbleibende HPV-Rate über alle Altersgruppen hinweg und die erheblichen regionalen Unterschiede erfordern maßgeschneiderte Impfstrategien und eine stärkere Sensibilisierung, um HPV-bedingte oropharyngeale Krebserkrankungen zu verhindern.“

Die Wissenschaftler plädieren für geschlechtsneutrale HPV-Impfprogramme und Nachholimpfungen für diejenigen Männer mittleren Alters, die frühere Möglichkeiten zur Impfung verpasst haben. Die Daten weisen ihnen zufolge darauf hin, dass Männer im Laufe ihres Lebens dem Risiko einer oralen HPV-Ansteckung ausgesetzt sind, was darauf hindeute, dass eine Nachholimpfung die Inzidenz neuer Infektionen verringern kann.

„Unsere Arbeit unterstreicht den dringenden Bedarf an Initiativen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die sich sowohl mit dem Sexualverhalten als auch mit Lebensstilfaktoren befassen“, sagte Dr. Racheal Mandishora, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Krebsepidemiologie am Moffitt. „Durch eine bessere Aufklärung und eine höhere Durchimpfungsrate können wir die Inzidenz der oralen HPV und die damit verbundenen Risiken deutlich verringern.“

Die HPV-Impfung wird für alle Personen zwischen 9 und 26 Jahren empfohlen. Aber auch Erwachsene zwischen 27 und 45 Jahren, die bisher nicht geimpft wurden, können sich impfen lassen.

Dube Mandishora, R.S., Dickey, B.L., Fan, W. et al. Multinational epidemiological analysis of oral human papillomavirus incidence in 3,137 men. Nat Microbiol (2024).