Hauptproblem der Freiberufler bleibt die Personalnot

Die Arbeitslosigkeit steigt wieder, für Freiberufler bleibt jedoch der Fachkräftemangel mit Abstand das größte Problem. Das zeigt eine neue Umfrage des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB).

„Der Fachkräftemangel ist für die Freien Berufe das größte Problem”, bekräftigte BFB-Präsident Friedemann Schmidt mit Verweis auf eine Umfrage unter den BFB-Mitgliedsorganisationen zwischen 19. März und 9. April 2024.

„Für mehr als die Hälfte der teilnehmenden Organisationen war dies der problematischste Aspekt von sechs“, führte Schmidt aus. Als zweitgrößtes Risiko für die Freien Berufe stuften die Befragten bürokratische Belastungen ein: Rund ein Drittel sahen hier eine gravierende Herausforderung. Auf Position drei rangierte der Vertrauensverlust durch geringer gewordene Verlässlichkeit politischer Entscheidungen, für jeden Zehnten eine zentrale Belastung. Als vergleichsweise weniger problematisch nehmen die Freiberufler dagegen steuerliche Belastungen (Rang vier), zu hohe Energiekosten (Rang fünf) und eine unzureichende Infrastruktur (Rang sechs) wahr.

Fachkräftemangel und bürokratische Belastungen sind zu Dauerproblemen geworden

„Der Fachkräftemangel und bürokratische Belastungen haben sich als Dauerprobleme verfestigt, zudem steigt die Verunsicherung, fehlt Planungssicherheit“, erklärte Schmidt. Beim Fachkräftemangel gelte es, alle verfügbaren Potenziale zu heben: „Hier sollten wir auch die junge Generation in den Blick nehmen. Wir brauchen nicht nur eine frühzeitigere, breitere Berufsorientierung, die auch vorurteilsfrei den Weg in die Selbstständigkeit aufzeigt. Wir müssen auch dafür sorgen, dass mehr junge Menschen überhaupt einen Schulabschluss machen, und die Zahl der Ausbildungsabbrüche nach unten drücken.“

Gerade bei uns Freien Berufen würden Fachkräftemangel und Bürokratiebelastungen ineinandergreifen. „Wir brauchen einen beherzten Bürokratieabbau, auch um in puncto Personalnot die Ressource Zeit zu schonen, damit wir Freie Berufe uns um unsere Patientinnen, Mandanten, Klientinnen und Kunden kümmern können, statt administrativen Aufwand zu betreiben“, forderte Schmidt. Damit die Freien Berufe ihre Potenziale entfalten können, müssten überdies die Rahmenbedingungen verlässlich sein.

Patientenzentrierung entscheidet über Erfolg in der PAR-Therapie

Patienten in Entscheidungsprozesse einbeziehen und Schmerzen kontrollieren

Parodontitis-Therapie ist ein erfolgreiches Konzept, aber nur wenn Patienten langfristig zu ihren Recall-Terminen (UPT) erscheinen. Das ist sehr häufig nicht der Fall, die Adhärenz-Rate beträgt im ungünstigen Fall nur etwa ein Drittel [1]. Verschiedene Strategien können dazu beitragen, diese Quote signifikant zu verbessern, darunter gute Kommunikation und schmerzvermeidende Behandlungsmethoden. So beurteilten in einer kontrollierten schwedischen Studie Patienten, die sich von ihrem Behandlungsteam „abgeholt“ fühlten, ihre Behandlung unabhängig vom Protokoll positiver.

Eine Therapie-Sitzung reicht aus

Bei insgesamt 494 Patienten wurde in einer Therapiegruppe zu Beginn durch intensive Instruktion und Beratung eine gute Mundhy­gi­ene etabliert (Plaque-Index <30 Pro­zent), danach die Ultraschall-Instrumentierung in einer Sitzung durchgeführt [2]. In der anderen Gruppe erfolgten vor der Behandlung nur eine Routine-Mundhygiene-Unterweisung und die Instrumentierung in mehreren Sitzungen. Die Ergebnisse waren nach sechs Monaten in Bezug auf die Mitarbeit in der täglichen Mundhygiene, die objektiv erreichten klinischen Werte und die Patientenzufriedenheit mit Behandlung und subjektivem Erfolg für beide Gruppen vergleichbar [2, 3]. Rauchen und hohe Blutungsindizes zu Behandlungsbeginn hatten wesentlichen Einfluss auf Entzündungswerte und Patientenbewertung [2].

Als signifikanter Faktor für eine positive Beurteilung erwies sich die Frage, ob die Patienten sich in den Entscheidungsprozess für die Behandlung einbezogen fühlten. Der Wert einer solchen „sprechenden“ Medizin und systematischer Maßnahmen zur Steigerung der Adhärenz (Mitarbeit, Recall-Bindung) wird laut Diskussion in der vorgestellten Untersuchung und nach Ergebnissen weiterer Studien, auch aus anderen medizinischen Fachgebieten, bestätigt [2, 4–6].

In einem Übersichtsartikel werden hierzu und zum Thema Patien­tenzentrierung unter anderem folgende Punkte gelistet (gekürzt) [7]:

  • Aufklärung über Ätiologie und Risikofaktoren
  • Partizipative Entscheidungsfindung bei Therapie und Schmerzkontrolle
  • Motivation zu einem geeignetem Mundhygieneverhalten, bei Bedarf unter Einbeziehung von Angehörigen
  • Maßnahmen zur Unterstützung des körperlichen Wohlbefindens (zum Beispiel Behandlung von Mundgeruch, ästhetische Maßnahmen)

 

Schmerzen vermeiden oder minimieren

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Patientenbindung und damit des Behandlungserfolgs ist die Schmerzvermeidung. Dazu passt, dass Patienten ihre Lebensqualität im Verlauf einer Parodontitis-Therapie zwar insgesamt positiv beurteilen [8]. Die deutlichste Verbesserung erfolgt nach einer supragingivalen Belagentfernung im Rahmen der vorbereitenden Behandlung. Ein kleinerer Effekt ist noch im Anschluss an die subgingivale nicht-chirurgische Therapie messbar [8]. Dieser nimmt nach einer gegebenenfalls notwendigen chirurgischen Behandlung weiter ab [9].

Um Schmerzen zu vermeiden, stehen neben Lokalanästhesie mit injizierbaren Anästhetika verschiedene gelartige Produkte zum Einbringen in die parodontale Ta­sche zur Verfügung [7]. Weiter besteht vor allem in der Nach­sor­ge (UPT) die Option, Luft-Wasser-Pulver-Systeme mit oder ohne spezielle Aufsätze für tiefe­re Taschen zu verwenden. Studi­en liegen hier überwiegend für ein Produktsystem vor, das einen kontinu­ier­li­chen Pulverfluss gewährleistet [10–12].

Die ZIBS-Vorsitzenden der vergangenen 25 Jahre

Antibiotikaresistenz ­oraler Bakterien

Einfluss des orales Mikrobioms

Resistenzen gegen antibiotische Wirkstoffe sind ein zunehmendes Problem in der modernen Medizin. Sie verursachen schwere Komplikationen bei der Behandlung von Infektionen und sind für etwa 1,2 Millionen Todesfälle pro Jahr weltweit verantwortlich.

Die Mikroorganismen der großen Mikrobiome unseres Körpers, zu welchen auch das orale Mikrobiom zählt, spielen für den Austausch von Genen und damit auch als Reservoir für mögliche Resistenzen eine zentrale Rolle. Die Integrität der Gewebe unserer Mundhöhle ist ein wichtiger Parameter für den gesamten Organismus und für unsere Lebensqualität.

Einfluss auf systemische Faktoren lange unterschätzt

Der Einfluss des oralen Mikrobioms auf systemische Faktoren wurde viele Jahre unterschätzt und begrenzt auf die lokalen Strukturen wie Zähne, Parodontium und Mundschleimhaut betrachtet.

Erkrankungen wie Karies, Gingivitis, Parodontitis und Stomatitis wurden bestimmte Leitkeime als Auslöser und Betreiber zugeordnet, die Interaktionen zwischen den verschiedenen Spezies der oralen Biozönosen und mit dem wirtseigenen Zellstoffwechsel aber lange unterschätzt.

Nicht nur die Zahngesundheit ist in Gefahr: Eine orale Dysbiose kann durch die offenen Verbindungen zwischen Mundhöhle, Gastrointestinaltrakt und Atemwegen und nicht zuletzt bakteriämisch über das Blutgefäßsystem sowohl die inneren Organe, wie das Herz/Kreislaufsystem, die Lungen, den Darm, die Leber, die Nieren, als auch das Nervensystem beeinträchtigen und schädigen.

Unkontrollierter Antibiotikaeinsatz fördert Resistenzbildung

Nach Angaben der FDI werden fast 75 Prozent aller Antibiotika im niedergelassenen Bereich, 10 Prozent davon von Zahnärzten, verschrieben. Veränderungen des oralen Mikrobioms werden allerdings durch jede, gegen welche Erkrankung auch immer gerichtete systemische Antibiose ausgelöst. Das Medikament ist in seiner Wirkung nicht auf den eigentlichen Zielort beschränkt, sondern betrifft immer den gesamten Organismus und damit auch die mikrobielle Lebewelt der Mundhöhle. Ursachen für die Begünstigung einer Resistenzbildung sind hinlänglich bekannt.

Risiko Breitbandantibiotika

An erster Stelle steht die unreflektierte Gabe von Breitbandantibiotika. Die verursachenden Erreger werden, sowohl im allgemeinmedizinischen als auch im zahnärztlichen Bereich, nur selten auf ihre Sensibilität auf die verordneten Wirkstoffe getestet, die meisten Gaben erfolgen rein empirisch. Auch „Vorsichtshalber-Gaben“ bei eigentlich viralen Infektionen wie grippalen Infekten wirken sich zwar nicht begünstigend auf Behandlung dieser Erkrankung aus, verändern aber die Komposition und das Sensibilitätsspektrum der Spezies der oralen Biozönose. Zudem werden Mindestdosierung und die Dauer der Medikation von den Patienten häufig nicht eingehalten oder die vom letzten Mal übrig gebliebenen Antibiotika in Eigenregie selbstverordnet.

Antibiotika in der Zahnarztpraxis

Auch in der Zahnarztpraxis ist eine adjuvante Antibiotikagabe bei bestimmten Indikationen wie aggressiver Parodontitis, Abszessen oder Wurzelgranulomen eine gängige Praxis. Die antibiotische Begleittherapie wird allerdings erheblich erschwert, wenn die an sich schon mit potenten Virulenzfaktoren ausgestatteten Keime eines destabilisierten Mikrobioms auch noch Resistenzen gegen antibiotische Wirkstoffe entwickeln.

Biofilme als Reservoir für Resistenzgene

  • Ein gängiger Fehler, der neben den bereits genannten Faktoren eine Resistenzentstehung fördert, ist eine Antibiotikagabe bei aggressiver Parodontitis ohne zeitlichen Konnex zu einer mechanischen Reinigung der Zahnfleischtaschen.
  • Die subgingivalen Mikroorganismen sind in Biofilmen organisiert. Das Antibiotikum kann nur in verringerter Konzentration zu den durch eine organische Matrix geschützten Keimen vordringen.
  • Die Wirksamkeit ist entsprechend abgeschwächt, der Großteil der Erreger übersteht die Antibiose weitgehend unbeschadet.
  • Die Resistenzentwicklung hingegen wird durch die Exposition zu unzureichenden Antibiotikadosen vorangetrieben.

 

Mobile genetische Elemente

Innerhalb eines Biofilms findet man gegenüber planktonisch lebenden Bakterien, wie etwa im Speichel, neben vermehrter Virulenz auch einen erhöhten Level an Antibiotikaresistenzen. Viele Resistenzgene (ARGs) liegen extrachromosomal auf mobilen genetischen Elementen, den sogenannten Plasmiden.

Diese können in der polymikrobiellen Biozönose über horizontalen Gentransfer innerartlich aber auch zwischen den unterschiedlichen Bakterienspezies ausgetauscht und weitergegeben werden. Dies betrifft allerdings nicht nur potenziell pathogene Mikroorganismen wie Prevotella intermedia, Porphyromonas gingivalis oder Aggregatibacter actinomycetemcomitans, sondern auch die an sich harmlosen Kommensalen der Mundflora.

Letztere beeinträchtigen zwar nicht die Mundgesundheit, können aber bei einem Erwerb von Resistenzgenen zu einer Gefahr für den Gesamtorganismus werden.

Mittels metagenomischer Sequenzierung von Plaqueproben wurden Resistenzprofile zur Darstellung des oralen Resistoms erstellt. Es finden sich deutliche Unterschiede in den Resistenzmustern zwischen oral Gesunden und Patienten mit Karies oder Parodontitis.

Ko- und Kreuzresistenzen erschweren die Behandlung

Neben Antibiotikaresistenzen kommen auch damit oft kombiniert auftretenden Resistenzen gegen andere Biozide zum Tragen. Die Ursache liegt in einer gemeinsamen Selektion der verantwortlichen Gene, wodurch sich Ko- und Kreuzresistenzen entwickeln.

Betroffen sind grampositive Bakterien wie Staphylococcus aureus mit seiner methicillinresistenten Form MRSA, aber zunehmend auch gramnegative Keime. In tiefen Zahnfleischtaschen findet man häufig Klebsiellaarten, Enterobacterales und Escherichia coli. Unter entsprechendem Selektionsdruck entstehen Resistenzen gegen Beta-Laktam-Antibiotika (ESBL), aber auch gegen Fluorchinolone und Sulfamethoxazol. Multiresistente gramnegative Keime (MRGN) sind unempfindlich gegen drei (3MRGN) oder sogar vier (4 MRGN) Antibiotikaklassen.

Auch unter den Anaerobiern und den fakultativ anaeroben Bakterien findet man zunehmend Lücken im Wirkungsspektrum von Clindamycin, Doxycyclin und den Makroliden.

  • Um dieser Entwicklung effektiv entgegenzuwirken, sind sowohl ein problemorientiertes und erregerspezifisches Vorgehen bei der Verschreibung von Antiinfektiva als auch eine Optimierung bei der Unterweisung der Patienten notwendig.
  • Im zahnärztlichen Bereich ermöglichen Analysen des verursachenden Keimkollektivs und Sensibilitätstests einen gezielten Einsatz von Wirkstoffen.
  • Schulungen im Rahmen des Antibiotic Stewardship sollten im niedergelassenen und vor allem auch im zahnärztlichen Bereich vermehrt angeboten werden.

Eine auf den jeweiligen Fachbereich abgestimmte Unterweisung in dieser interdisziplinären Strategie erleichtert Entscheidungen zum korrekten Einsatz von antibiotischen Wirkstoffen und trägt zur Reduktion der Resistenzentwicklung bei.

DDr. Christa Eder

ist Fachärztin für Pathologie und Mikrobiologin

Statistisches Bundesamt: 73 Prozent der neuen Zahnis sind Frauen

Statistisches Bundesamt
73 Prozent der neuen Zahnis sind Frauen
Die Zahl der Erstsemester steigt das zweite Jahr in Folge und liegt noch einmal um 1,6 Prozent über dem Studienjahr 2022. Im Fachbereich Zahnmedizin steigt der Anteil der Studentinnen weiter.

Im Sommersemester 2023 und im Wintersemester 2023/2024, haben sich insgesamt 481.500 Studienanfänger für ein Studium an einer deutschen Hochschule eingeschrieben. Das sind 7.800 beziehungsweise 1,6 Prozent mehr als im Studienjahr 2022. Damit ist die Erstsemesterzahl zum zweiten Mal in Folge gestiegen, liegt aber noch unter der Zahl für 2019 (508.700).

In der Humanmedizin und den Gesundheitswissenschaften sind 28.496 junge Menschen im ersten Fachsemester neu eingeschrieben, davon 1.573 in der Zahnmedizin, 12.589 in der Humanmedizin und 14.334 in den Gesundheitswissenschaften. Von den neuen Zahnmedizinstudierenden sind 1.153 weiblich (73,2 Prozent). Insgesamt sind 12.793 Zahnmedizinstudierende an den Hochschulen eingeschrieben, 8.877 (69,3 Prozent) davon sind Frauen.

Nachdem der Anstieg der Erstsemester 2022 gegenüber 2021 alleine durch mehr ausländische Studierende getragen wurde, die für das Studium nach Deutschland kamen, haben sich zum Studienjahr 2023 auch wieder mehr deutsche Studierende eingeschrieben, meldet das Statische Bundesamt.

Neue Studien liefern Hinweise zu Long-Covid-Ursachen

Mehrere Millionen Menschen leiden Schätzungen zufolge unter Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Nun gibt es neue Hinweise auf mögliche Ursachen.

Die WHO schätzt, dass zwischen 10 bis 20 Prozent der einmal mit Corona Infizierten unter Long Covid leiden könnten. Bei der Diagnose und Behandlung gab es bislang jedoch kaum Fortschritte. Neue Studien liefern jetzt immerhin erste Hinweise auf die Ursachen der Beschwerden. Damit wächst die Hoffnung, auch andere chronische Krankheiten besser verstehen zu können.

Long Covid

Unter Long Covid versteht man eine ganze Bandbreite von Gesundheitsproblemen, die Patienten noch Wochen und Monate nach einer Corona-Infektion einschränken. Die häufigsten sind chronische Erschöpfung, auch Fatigue genannt, Atembeschwerden, Muskelschmerzen und Dumpfheit im Kopf (brain fog).

Eine im Januar in der Zeitschrift “Science” veröffentlichte Studie konnte entscheidende Unterschiede in den Proteinen im Blut von mehr als 110 Long-Covid-Patienten nachweisen. Der Schweizer Immunologe Onur Boyman, Mit-Autor der Studie, hält diesen Fund für ein “entscheidendes Puzzle-Teil” zur Klärung der Frage, warum das Coronavirus im Körper mancher Menschen solange sein Unwesen treibe.

Long Covid “messbar”

Ein Teil des Immunsystems, das sogenannte Komplementsystem, das normalerweise eine Infektion bekämpft, indem es die infizierten Zellen tötet, bleibt bei Menschen mit Long Covid aktiv und greift weiter an – jetzt allerdings gesunde Zellen. So schädigt es laut Forschern das Gewebe.

Boyman betont, dass das Komplementsystem von Long-Covid-Patienten sich wieder normalisiere, sobald diese sich von Corona erholten. Das spreche für eine engen Zusammenhang. “Das zeigt, dass Long Covid eine Krankheit ist, die man tatsächlich messen kann”, sagt er. Er hofft, dass diese neue Erkenntnis zur Entwicklung eines Tests führen kann.

Wissenschaftler, die nicht an der Studie beteiligt waren, geben zu bedenken, dass die “Fehlregulierung” des Komplementsystems nicht all die vielfältigen Ausprägungen der Corona-Langzeitfolgen erklären könne. Trotzdem sei es “großartig, dass Studien, die jetzt herauskommen, erste Hinweise auf Erklärungen für Long Covid enthalten”, sagt Claire Steves, Professorin für Altern und Gesundheit am Londoner King’s College.

Anomalien im Muskelgewebe

Long-Covid-Patientin Lucia aus den USA, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, weist auf eine andere neuere Veröffentlichung im Fachblatt “Nature” hin, die bei Long-Covid-Patienten Anomalien im Muskelgewebe und Fehlfunktionen der Mitochondrien – den Kraftwerken der Zellen – feststellte. Dies könnte die Erschöpfung sogar nach kleinsten Anstrengungen erklären.

Für Lucia, Mitglied einer von Patienten geführten Forschungsgruppe, ist seit ihrer Corona-Erkrankung das Treppensteigen zu ihrer Wohnung ein täglicher Kampf. Als sie sich im März 2020 Covid zuzog, hätte sie sich nicht vorstellen können, dass es “jeden Aspekt” ihres Lebens beeinträchtigen würde – “auch in sozialer und finanzieller Hinsicht”.

Lucia betont, dass Leute wie sie nicht nur mit zahlreichen Gesundheitsproblemen zu tun hätten. Sie litten auch darunter, dass ihr soziales Umfeld und Ärzte ihnen nicht glaubten oder sie nicht ernst nähmen.

Moralische Unterstützung entscheidend

Wie wichtig moralische Unterstützung für Patienten ist, zeigt eine im Februar veröffentlichte Studie in der Zeitschrift “British Medical Journal” auf. Danach verbesserte sich die Lebensqualität von Long-Covid-Patienten durch Gruppen-Reha-Maßnahmen.

Für Ziyad Al-Aly, Epidemiologe an der Washington University in St. Louis, ist Long Covid so schwer zu begreifen, weil es eine “Multi-System-Krankheit” ist. “Wir sind so geschult, dass wir bei Krankheiten an Organsysteme denken”, zum Beispiel bei Herz- oder Lungenkrankheiten, sagt er.

Initiative Long Covid gestartet

Das Rätsel um Long Covid zu lösen, hätte einen weitreichenden Nutzen. Neue Behandlungsansätze könnten auch beim Kampf gegen andere Krankheiten wie chronische Fatigue oder lang anhaltende Grippesymptome (long flu) helfen.

  • Neue Studienergebnisse: Long Covid: Wer am häufigsten betroffen ist
  • Reha und Co.: Long Covid: Was Betroffene tun können
  • “Long Flu” statt Long Covid?: Studie: Schwere Langzeitfolgen der Grippe

So lange bleibt es Forschern und Medizinern nur, zu regelmäßigen Corona-Impfungen zu raten, um das Long-Covid-Risiko zu verringern. Das Bundesgesundheitsministerium hat die Initiative Long Covid gestartet, um zumindest über neue Forschungserkenntnisse und Anlaufstellen zu informieren.

Aus für Amalgam quasi beschlossen

Quecksilberverordnung: Rat und Parlament erzielen Einigung

Der Rat und die Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments haben eine vorläufige politische Einigung über einen Vorschlag zur schrittweisen Einstellung der Verwendung von Dentalamalgam und zum Verbot der Herstellung, Einfuhr und Ausfuhr einer Reihe von mit Quecksilber versetzten Produkten, einschließlich bestimmter Lampen, erzielt. Mit dem Vorschlag werden die letzten verbleibenden Verwendungszwecke von Quecksilber in Produkten in der EU geregelt, um ein quecksilberfreies Europa zu schaffen. Die Einigung ist bis zur förmlichen Annahme durch beide Organe vorläufig.

„Wenn Quecksilber in die Umwelt freigesetzt wird, kann es unsere Lungen, unser Gehirn und unsere Nieren ernsthaft schädigen. Die politischen Maßnahmen der EU haben bisher entscheidend dazu beigetragen, die Verwendung von und die Exposition gegenüber dieser hochgiftigen Chemikalie erheblich zu verringern. Mit der heutigen Einigung mit dem Parlament zielen wir auf die verbleibenden Verwendungszwecke von Quecksilber ab, um eine quecksilberfreie EU zu schaffen“ sagt Alain Maron, Minister der Regierung der Region Brüssel-Hauptstadt für klimabedingten Wandel, Umwelt, Energie und partizipative Demokratie.

Wichtigste Aspekte der Einigung

Während geltende Vorschriften bereits die Verwendung von Dentalamalgam zur Zahnbehandlung bei Kindern unter 15 Jahren sowie bei schwangeren oder stillenden Frauen verbieten, wird das Verbot nun durch die Änderungen ausgeweitet, um alle Personen in der EU zu erfassen. Die beiden gesetzgebenden Organe hielten an dem von der Kommission vorgeschlagenen Termin für das vollständige Verbot in der EU – dem 1. Januar 2025 – fest. Eine Ausnahme gilt, wenn die Zahnärztin oder der Zahnarzt die Verwendung von Dentalamalgam aufgrund spezifischer medizinischer Erfordernisse bei der jeweiligen Patientin oder dem jeweiligen Patienten als zwingend notwendig erachtet. Der Rat und das Parlament haben jedoch eine für 18 Monate geltende Ausnahme für die Mitgliedstaaten eingeführt, in denen einkommensschwache Personen andernfalls sozial und wirtschaftlich unverhältnismäßig stark betroffen wären. Bis spätestens einen Monat nach Inkrafttreten dieser überarbeiteten Verordnung müssen diese Mitgliedstaaten die Inanspruchnahme der Ausnahmeregelung hinreichend begründen und der Kommission mitteilen, welche Maßnahmen sie ergreifen wollen, um die Frist für die Einstellung der Verwendung bis zum 30. Juni 2026 einhalten zu können.

Während der Rat und das Parlament an dem von der Kommission vorgeschlagenen Verbot der Ausfuhr von Dentalamalgam ab dem 1. Januar 2025 festhielten, einigten sie sich auf die Einführung eines Verbots, das für die Herstellung von Dentalamalgam in der EU beziehungsweise dessen Einfuhr in die EU ab dem 30. Juni 2026 gilt. Im Rahmen der Änderungen wird eine Ausnahme vorgesehen, nach der die Einfuhr und die Herstellung von Dentalamalgam erlaubt ist, wenn es für Patientinnen und Patienten mit spezifischen medizinischen Erfordernissen verwendet wird. Die Kommission wird bis zum 31. Dezember 2029 eine allgemeine Überprüfung der Ausnahmen für die Verwendung von Dentalamalgam vornehmen, wobei sie die Verfügbarkeit quecksilberfreier Alternativen berücksichtigen wird.

Ferner wird in den Änderungen die Freisetzung von Quecksilber in die Atmosphäre durch Krematorien angegangen. Bis zum 31. Dezember 2029 wird die Kommission die Umsetzung und die Auswirkungen der Leitlinien der Mitgliedstaaten zur Frage, wie Emissionen aus Krematorien gemindert werden können, überprüfen. Im Rahmen der Überprüfung sollte auch die Notwendigkeit bewertet werden, die verbleibenden Verwendungszwecke von Quecksilber aufzugeben und die Liste der Quellen von Quecksilberabfällen zu erweitern.

Für sechs weitere quecksilberhaltige Lampen wird je nach Lampentyp ebenso ein Herstellungs-, Einfuhr- und Ausfuhrverbot ab dem 31. Dezember 2025 beziehungsweise 31. Dezember 2026 gelten.

Nächste Schritte

Die vorläufige Einigung wird nun den Vertretern der Mitgliedstaaten im Rat (AStV) und dem Umweltausschuss des Parlaments zur Billigung vorgelegt. Wird der Text gebilligt, so wird er anschließend nach Überarbeitung durch die Rechts- und Sprachsachverständigen von beiden Organen förmlich angenommen, bevor er im Amtsblatt der EU veröffentlicht werden und in Kraft treten kann.

Hintergrund

Die Quecksilberverordnung der EU ist eines der wichtigsten EU-Instrumente zur Umsetzung des Minamata-Übereinkommens, eines 2013 unterzeichneten internationalen Vertrags zum Schutz vor nachteiligen Auswirkungen von Quecksilber auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Die Verordnung aus dem Jahr 2017 gilt für den gesamten Lebenszyklus von Quecksilber – vom Rohstoffabbau bis hin zur Entsorgung – und trägt damit zu dem in der EU-Strategie für Quecksilber dargelegten Ziel der EU bei, die Verwendung, die Herstellung und die Ausfuhr von Quecksilber und mit Quecksilber versetzten Produkten im Laufe der Zeit zu beschränken und schrittweise einzustellen.

Im Juli 2023 hat die Kommission eine gezielte Überarbeitung der Verordnung vorgeschlagen, um im Einklang mit dem Null-Schadstoff-Ziel der EU die noch bestehende Verwendung von Quecksilber in der EU anzugehen. Mit den vorgeschlagenen Änderungen wird ein vollständiges Verbot der Verwendung, der Herstellung und der Ausfuhr von Dentalamalgam für die Zahnbehandlung und bestimmter Arten von mit Quecksilber versetzten Lampen gefordert.

Das Europäische Parlament und der Rat haben ihre jeweiligen Verhandlungspositionen am 17. bzw. 30. Januar 2024 angenommen.

ZIBS-UPDATE Seminare

Erläuterung der  “ZIBS-UPDATE” Seminare

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

unter dem Titel “ZIBS-UPDATE” veranstaltet die ZIBS ab 2012 ausschließlich für Ihre Mitglieder fortlaufend Seminare, die uns in allen wichtigen Themen der modernen Zahnheilkunde auf den neuesten Stand bringen werden. 2012 haben bereits Seminare zu den Themen  Kinderzahnheilkunde, Alterszahnheilkunde, Endo, Chirurgie, Implantologie, aber auch Patientenkommunikation und Psychologie mit  namenhaften Referenten großen Zuspruch gefunden.

Die Seminare richten sich in erster Linie an unsere Mitglieder, teilweise sind sie aber auch für das gesamte Team gedacht! Wenn Sie  an 10 dieser Seminare teilgenommen haben, werden Sie von der ZIBS ein entsprechendes wertiges Zertifikat erhalten, welches Ihnen bescheinigt, in allen Bereichen der modernen Zahnheilkunde umfangreich fortgebildet zu sein. Sie können dieses “ZIBS-UPDATE”-Zertifikat in Ihrer Praxis aushängen und bei Ihren Patienten damit werben. Weiterhin haben wir eine Liste der Absolventen der “ZIBS-UPDATE”-Seminarreihe auf unserer Homepage, für alle Patienten einsehbar, veröffentlicht. Selbstverständlich können Sie auch gesondert an einzelnen “ZIBS-UPDATE” Seminaren teilnehmen, dann jedoch ohne “ZIBS-UPDATE” Zertifikat, wenn Sie nicht an mindestens 10 Seminaren teilgenommen haben. Für jedes einzelne Seminar werden jeweils die allgemeinen Zertifikate mit den KZV-Fortbildungspunkten ausgegeben.

Wie gewohnt, werden alle Seminare jeweils gesondert im Verteiler und postalisch angekündigt.

Sie können sich aber schon jetzt auf unserer Homepage www.zibs.de über den Stand der Seminarplanung und die Termine informieren, und sich dort zu gegebener Zeit dann auch anmelden.

Natürlich werden wir diese “ZIBS-UPDATE”-Seminare wieder zu den von Ihnen gewohnten ZIBS-typisch sehr günstigen Preisen und im Bonner Raum anbieten.

Da die Papieranmeldung einen enormen zusätzlichen Verwaltungsaufwand erfordert, hat der Vorstand beschlossen, dass es 10 Euro günstiger ist, sich über die Homepage www.zibs.de für ein Seminar anzumelden. Papieranmeldungen sind weiterhin ausschließlich per Fax und per Post möglich.

Desweiteren werden die Anmeldebestätigungen an Sie in Zukunft nur noch per Email verschickt.    Wir bitten hierfür um Ihr Verständnis, aber im Rahmen der neuen papierlosen Abrechnung wird in Zukunft jede Praxis über eine Email-Adresse verfügen müssen!
Wir möchten Sie daher in Ihrem eigenen Interesse darum bitten, uns evtl. geänderte Email-Adressen umgehend mitzuteilen, damit wir diese aktualisieren können.

Ganz unabhängig von der zukünftigen Seminarplanung ist es für Sie auch von großer Wichtigkeit, Mitglied im ZIBS-Email Verteiler zu sein, da kurzfristige Informationsweitergabe zu den brandaktuellen Themen der kommenden Monate nur per Email Sinn machen!

Der ZIBS-Vorstand