Zuckerkonsum in früher Kindheit kann Angstzustände fördern

Der Zuckerkonsum in den ersten 1.000 Lebenstagen eines Kindes erhöht das Risiko, im Erwachsenenalter Angstzustände zu entwickeln, wie eine neue Studie der University of Surrey berichtet.

Im Rahmen der Studie untersuchten die Wissenschaftler der University of Surrey, wie sich der Zuckerkonsum in der frühen Kindheit auf die psychische Gesundheit im Erwachsenenalter, das Ernährungsverhalten und die neurologische Entwicklung auswirkt.

m Ergebnis was das Risiko, eine Angststörung zu entwickeln, bei denjenigen am geringsten, die im Mutterleib und in den ersten beiden Lebensjahren sehr wenig Zucker konsumiert hatten.

Das Team analysierte die medizinischen Daten von über 45.000 Teilnehmern der UK Biodatenbank, die zwischen 1951 und 1956 geboren wurden – also in einer Zeit, in der die Zuckerrationierung der Nachkriegszeit noch in vollem Umfang galt, bis hin zu dem Zeitpunkt, als sie schrittweise abgeschafft wurde.

Über 30 Prozent weniger Angststörungen ohne Zucker

Die Teilnehmer wurden anschließend in Gruppen unterteilt: diejenigen, die die Zuckerrationierung bereits im Mutterleib und anschließend bis zum Alter von sechs, 12, 18 und 24 Monaten erlebt hatten, sowie diejenigen, die die Rationierung nur im Mutterleib erlebt hatten.

Eine Kontrollgruppe mit Teilnehmern ähnlichen Alters, die zu einer Zeit geboren wurden, als es in Großbritannien keine Rationierung gab, sowie eine weitere Gruppe von Kindern, die in Irland geboren wurden, wurden ebenfalls analysiert.

Menschen, die die Rationierung erlebt hatten, wiesen ein 33 Prozent geringeres Risiko für eine spätere Angststörung auf im Vergleich zu Menschen, die die Rationierung nicht miterlebt hatten.

Die Wissenschaftler untersuchten auch bildgebende Daten des Gehirns. Es zeigte sich, dass sich 80 der 139 Hirnregionen hinsichtlich des Volumens der grauen Substanz zwischen den verschiedenen Rationierungsgruppen signifikant unterschieden. Eine weitere Analyse ergab signifikante Unterschiede in 11 der 80 Hirnregionen zwischen den meisten Rationierungsgruppen und denjenigen, die nie einer Rationierung ausgesetzt waren – zum Beispiel Regionen des Kleinhirns.

Hängen Zuckerexposition und späterer Zuckerappetit zusammen?

Weiter zeigte die Analyse, dass diejenigen, die über den längsten Zeitraum (im Mutterleib und bis zum Alter von 24 Monaten) keinem Zucker ausgesetzt waren, im Erwachsenenalter auch eine geringere Vorliebe für süße Lebensmittel angaben.

Insbesondere Frauen, die keine oder nur eine begrenzte Zeit lang eine Rationierung erlebt hatten und damit deutlich mehr Zucker zu sich nahmen, entwickelten mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Angststörung.

Ein Zusammenhang zwischen früher Zuckerexposition und Depressionen wurde ebenfalls festgestellt, verlor jedoch nach statistischer Bereinigung an Signifikanz, was darauf hindeutet, dass dieser Zustand durch die Ernährung im späteren Erwachsenenalter beeinflusst werden könnte.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Zuckerexposition während der ersten 1.000 Lebenstage das Risiko beeinflussen kann, an verschiedenen chronischen Erkrankungen wie Diabetes zu erkranken. Da wir in unseren früheren Arbeiten Zusammenhänge zwischen der Vorliebe für zuckerhaltige Lebensmittel und psychischen Problemen festgestellt hatten, wollten wir insbesondere herausfinden, ob der Zuckerkonsum in der frühen Kindheit dazu beitragen könnte, dass später im Leben psychische Probleme wie Depressionen und Angststörungen auftreten“, erklärt Studienleiterin Dr. Hana Navratilova.

Trotz des gestiegenen Zuckerkonsums der Teilnehmer nach der Rationierung scheinen die Ernährungsbedingungen in der frühen Kindheit eine dauerhafte Bedeutung für die psychische Gesundheit zu haben.

„Das Wissen um die gesamten Auswirkungen, die Zucker über unser gesamtes Leben hinweg auf unsere körperliche und psychische Gesundheit haben kann, könnte dazu beitragen, die Gesundheitspolitik zu gestalten und unsere Ernährungsgewohnheiten neu auszurichten“, so Navratilova.

Navratilova, H.F., Whetton, A.D. & Geifman, N. Dietary sugar exposure in early life and risk of adult mental health disorders: UK Biobank cohort study. Transl Psychiatry (2026). https://doi.org/10.1038/s41398-026-04376-w

Körpergewicht bei Demenz

Mehr Gewicht, längeres Leben?

Menschen mit Übergewicht haben ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Nach der Diagnose scheint sich der Zusammenhang jedoch umzukehren. Eine US-amerikanische Studie untersuchte, was hinter diesem sogenannten Adipositas-Paradoxon steckt.

Übergewicht und Adipositas gelten als Risikofaktoren für zahlreiche Erkrankungen, darunter auch Demenz. Bei Menschen, die bereits an Demenz erkrankt sind, haben frühere Untersuchungen jedoch einen überraschenden Zusammenhang gezeigt: Ein höheres Körpergewicht geht offenbar mit einer längeren Überlebenszeit einher.

Forschende der Columbia University und der New York University untersuchten nun, wie sich dieser Zusammenhang erklären lässt und welche Rolle mögliche methodische Verzerrungen dabei spielen könnten. Die Ergebnisse wurden im Journal of Alzheimer’s Disease veröffentlicht.

Mehr als 4.500 Menschen mit neu aufgetretener Demenz

Für die Analyse nutzten die Forschenden Daten der US-amerikanischen Health and Retirement Study, einer landesweit repräsentativen Langzeitstudie mit Erwachsenen ab 51 Jahren. In die Auswertung gingen Angaben aus den Jahren 1998 bis 2022 von 4.523 Personen ein, die zu Studienbeginn demenzfrei waren und im weiteren Verlauf eine Demenz entwickelten.

Untersucht wurde, wie der Body-Mass-Index (BMI) zum Zeitpunkt der Demenzmanifestation mit der späteren Sterblichkeit zusammenhing. Dabei berücksichtigten die Forschenden unter anderem Alter, Geschlecht, Rauchverhalten sowie chronische Begleiterkrankungen. Zusätzlich prüften sie mehrere mögliche Ursachen für systematische Verzerrungen.

Geringere Sterblichkeit bei Übergewicht und Adipositas

Im Vergleich zu normalgewichtigen Personen wiesen Menschen, die zum Zeitpunkt der Demenzdiagnose übergewichtig waren (BMI 25–29,9 kg/m²), ein um 16 Prozent geringeres Sterberisiko auf. Bei Adipositas Grad I (BMI 30–34,9 kg/m²) war es um 27 Prozent niedriger, bei Adipositas Grad II oder III (BMI ≥ 35 kg/m²) um 22 Prozent. Die Zusammenhänge blieben auch nach Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren bestehen.

Menschen mit Demenz verlieren jedoch häufig schon Jahre vor der Diagnose an Gewicht. Die Forschenden untersuchten deshalb, ob dieser früh einsetzende Gewichtsverlust den beobachteten Zusammenhang erklären könnte. Denn dadurch könnten sich unter den Normalgewichtigen vermehrt Personen befinden, bei denen der Gewichtsverlust bereits Ausdruck der beginnenden Erkrankung ist.

Auch ob die Beschränkung auf Personen mit Demenz oder das vorzeitige Versterben gesundheitlich stärker belasteter Menschen mit Adipositas die Ergebnisse beeinflusste, untersuchten die Forschenden.

„Da dieses Ergebnis etwas überraschend ist, stellt sich die wichtige Frage, ob es sich lediglich um ein Artefakt aufgrund von Verzerrungen handeln könnte. Unsere Analysen deuten darauf hin, dass die wichtigsten von uns untersuchten Verzerrungsquellen den mit einem höheren Körpergewicht verbundenen Überlebensvorteil nicht erklären“, erklärte Yuan Zhang von der Columbia University in einer Pressemitteilung der Universität.

Energiereserven könnten eine Rolle spielen

Warum ein höheres Körpergewicht bei bestehender Demenz mit einer geringeren Sterblichkeit einhergeht, bleibt dennoch offen. Als mögliche Erklärungen diskutieren die Autoren unter anderem größere Energiereserven und eine möglicherweise höhere Muskelmasse.

„Die Ernährung kann für Menschen mit Demenz zu einem großen Problem werden“, erklärte Erstautorin Virginia Chang von der New York University. Betroffene könnten an Auszehrung leiden und Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme entwickeln. Als mögliche Ursachen nannte sie Veränderungen der zentralen Appetitregulation, einen erhöhten Energieverbrauch und Schwierigkeiten, selbstständig zu essen.

Gleichzeitig betonte sie, dass die Ergebnisse keine Empfehlung seien, bei Demenz gezielt an Gewicht zuzunehmen. Ob eine Gewichtszunahme die Überlebenszeit beeinflusst, habe die Studie nicht untersucht. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, könnten zudem weitere, nicht erfasste Einflussfaktoren die Ergebnisse beeinflusst haben.

Körpergewicht als möglicher prognostischer Hinweis

Nach Ansicht der Autoren könnte der Gewichtsstatus zum Zeitpunkt der Demenzdiagnose dennoch eine hilfreiche zusätzliche prognostische Information liefern. Zugleich lenken die Befunde die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung von Gewichtsverlust und Ernährungsproblemen bei Menschen mit Demenz.

Originalpublikation: Chang VW et al. Body mass index and mortality in incident dementia. Journal of Alzheimer’s Disease. 2026. DOI: 10.1177/13872877261491694

Zusätzliche Quelle: Columbia University Mailman School of Public Health, Pressemitteilung vom 6. Oktober 2026

RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab

Weniger Mittelohrentzündungen bei Säuglingen

Nirsevimab schützt Säuglinge vor schweren Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus. Doch könnte die Prophylaxe auch andere häufige Erkrankungen im ersten Lebensjahr verhindern? Eine landesweite finnische Studie liefert Hinweise auf einen zusätzlichen Nutzen.

Akute Mittelohrentzündungen gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten im frühen Kindesalter und sind ein wesentlicher Anlass für Antibiotikaverordnungen. Häufig treten sie im Zusammenhang mit viralen Atemwegsinfektionen auf, darunter Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV).

Während die Wirksamkeit des monoklonalen Antikörpers Nirsevimab zur Prävention schwerer RSV-Atemwegserkrankungen gut belegt ist, gibt es bislang weniger Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen auf andere RSV-assoziierte Erkrankungen.

Ein finnisches Forscherteam untersuchte deshalb, ob die Einführung einer allgemeinen Nirsevimab-Prophylaxe mit einer veränderten Häufigkeit akuter Otitiden bei Säuglingen einherging. Die Ergebnisse wurden im European Journal of Pediatricsveröffentlicht.

Registerdaten aus vier RSV-Saisons ausgewertet

Für die landesweite, registerbasierte Zeitreihenanalyse nutzten die Forschenden Daten zu Geburten, laborbestätigten RSV-Infektionen und ambulant diagnostizierten akuten Mittelohrentzündungen. Insgesamt umfasste die Untersuchung 181.999 Säuglinge und einen Beobachtungszeitraum von vier aufeinanderfolgenden RSV-Saisons zwischen 2022 und 2026.

Finnland hatte im Herbst 2024 eine allgemeine Nirsevimab-Prophylaxe für Säuglinge eingeführt. Neugeborene, die während der RSV-Saison zur Welt kamen, sowie Säuglinge unter drei Monaten zu Beginn der Saison konnten den Antikörper erhalten.

Die Forschenden verglichen die Häufigkeit nachgewiesener RSV-Infektionen und akuter Mittelohrentzündungen während der Wintermonate Dezember bis März in den beiden Saisons vor und nach Einführung des Programms. Dabei unterschieden sie zwischen Säuglingen im Alter von null bis zwei, drei bis fünf sowie sechs bis elf Monaten.

Häufigkeit akuter Otitiden sank um 44 Prozent

Die Auswertung zeigte einen deutlichen Rückgang der akuten Mittelohrentzündungen nach Einführung der Nirsevimab-Prophylaxe. Bei Säuglingen unter zwölf Monaten sank die Inzidenz von 28,61 auf 15,93 Diagnosen pro 1.000 Säuglingsmonate, was einem relativen Rückgang um 44 Prozent entsprach.

Besonders ausgeprägt war dies bei den jüngsten Säuglingen: In der Altersgruppe von null bis zwei Monaten sank die Otitis-media-Inzidenz um 69 Prozent, bei den drei bis fünf Monate alten Kindern um 55 Prozent, und auch bei den sechs- bis elfmonatigen Säuglingen zeigte sich mit 42 Prozent ein deutlicher Rückgang.

Parallel dazu nahm die Häufigkeit laborbestätigter RSV-Nachweise insgesamt um 83 Prozent ab, wobei hier ebenfalls der stärkste Rückgang bei den jüngsten Säuglingen verzeichnet wurde.

Auch weniger Antibiotikaverordnungen denkbar

Die Ergebnisse deuten somit darauf hin, dass eine RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab über die Verhinderung schwerer Atemwegsinfektionen hinaus weitere gesundheitliche Vorteile haben könnte. Da akute Mittelohrentzündungen häufig antibiotisch behandelt werden, könnte eine geringere Erkrankungshäufigkeit aus Sicht der Autoren auch dazu beitragen, den Antibiotikaverbrauch im Säuglingsalter zu reduzieren.

Auffällig war zudem der deutliche Rückgang der Otitiden bei älteren Säuglingen, obwohl nur ein Teil dieser Altersgruppe für die Prophylaxe infrage kam. Als mögliche Erklärungen diskutieren die Forschenden einen länger anhaltenden individuellen Schutz sowie indirekte Effekte durch eine verringerte RSV-Übertragung.

Individuelle Schutzwirkung lässt sich nicht bestimmen

Einschränkend ist bei der Interpretation der Ergebnisse zu beachten, dass keine individuellen Angaben zur Nirsevimab-Gabe vorlagen. Die Forschenden konnten somit nicht unmittelbar vergleichen, wie häufig behandelte und unbehandelte Säuglinge an einer Otitis media erkrankten.

Auch könnten Veränderungen bei der Inanspruchnahme ärztlicher Versorgung, in der Diagnostik oder bei der Verbreitung anderer Atemwegserreger zwischen den untersuchten RSV-Saisons die Ergebnisse beeinflusst haben. Dennoch sehen die Autoren in den Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass eine breite RSV-Prophylaxe auch die Krankheitslast durch akute Mittelohrentzündungen im ersten Lebensjahr verringern könnte.
Originalpublikation: Leskinen N et al. Nirsevimab reduced acute otitis media infections in infants—a nationwide interrupted time-series analysis. European Journal of Pediatrics. 2026. DOI: 10.1007/s00431-026-07508-y

Dem Schnarchen auf den Zahn gefühlt

Schlechter Schlaf durch Schnarchen? Ausgerechnet der Zahnarzt könnte der Schlüssel zu ruhigeren Nächten sein. Schon eine simple Schiene kann Obstruktion und Aussetzern effektiv entgegenwirken.

Schnarchen ist weit mehr als nur ein nächtliches Geräusch. Es kann die Schlafqualität beeinträchtigen, die Gesundheit beeinflussen und auch manchmal Beziehungen belasten. Denn erholsamer Schlaf ist entscheidend für körperliche und mentale Regeneration und unser Organismus kann Energie für den nächsten Tag tanken. In manchen Fällen kann Schnarchen zudem auf eine obstruktive Schlafapnoe hinweisen und sollte deshalb nicht einfach ignoriert werden. Und genau hier wird es für uns Zahnmediziner spannend.

Was hat die Zahnmedizin mit gutem Schlaf zu tun? Der Unterkiefer und die umgebenden Weichgewebe haben direkten Einfluss auf die Weite und Stabilität des oberen Atemwegs. Mit individuell angefertigten mandibulären Protrusionsschienen können wir den Unterkiefer während des Schlafs nach vorne positionieren und dadurch den Atemweg stabilisieren.

UPS gegen das Schnarchen – kommt das an?

Unterkieferprotrusionsschienen(UPS), oft auch als Mandibular Advancement Devices (MAD) oder Oral Appliances (OA) bezeichnet, sind eine etablierte Therapieoption bei schlafbezogenen Atemstörungen. Durch die kontrollierte Vorverlagerung des Unterkiefers wird Spannung auf das suprahyoidale Gewebe übertragen und führt zu einer luminalen Vergrößerung und Stabilisierung des Atemweges auf Höhe des Velums, des Zungengrundes und der Epiglottis. Mehrere Studien zeigen, dass sowohl bei Patienten mit primärem Schnarchen als auch bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe (OSA) das Schnarchen durch die Therapie mit einer UPS deutlich verbessert werden konnte im Vergleich zu Nasentherapie, Mundtaping und Seitenlage.

Hervorzuheben ist, dass selbst bei mittelgradiger bis schwerer OSA eine UPS wirksam sein kann. Der durchschnittliche Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) sank und bei ca. 91,8 % der Teilnehmer lag nach der Behandlung keine oder nur noch eine leichte Schlafapnoe vor. Auch Schnarchen und Tagesmüdigkeit verbesserten sich deutlich.

Aber wie viel Protrusion braucht ein Schnarcher?

Um die Frage der Protrusion zu klären, untersuchte eine Studie aus 2026Patienten, bei denen unter Drug-Induced Sleep Endoscopy (DISE) der Unterkiefer mithilfe eines Mandibular Positioners schrittweise vorverlagert wurde. Der Ansatz ist interessant, denn so lässt sich direkt beobachten, bei welcher Position sich die Atemwegsobstruktion verbessert. Diese Position kann anschließend als Orientierung für die individuelle Einstellung der UPS dienen.

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Effekt, denn der AHI sank im Mittel von 32,3 auf 7,2 Ereignisse pro Stunde. Die Ergebnisse unterstreichen, dass eine sorgfältige Auswahl geeigneter Patienten, beispielsweise mithilfe einer DISE, eine wichtige Rolle spielen kann. Für die zahnärztliche Praxis ist vor allem eine Erkenntnis relevant: Nicht die maximal mögliche Protrusion ist das Ziel, sondern die individuell wirksame Position. Eine gezielte Titration kann dazu beitragen, Wirksamkeit und Verträglichkeit miteinander zu verbinden.

Macht das Schienendesign einen Unterschied?

Eine aktuelle Studie zeigt eindrucksvoll, welchen Einfluss die individuelle Gestaltung einer oralen Schiene auf das Schnarchen haben kann. Dabei kam eine individuell gefertigte Schiene mit unterschiedlich langen Zungenkompressoren zum Einsatz. Die Ergebnisse zeigten besonders bei Patienten mit ausgeprägtem Schnarchen, dass die längste Variante des Zungenkompressors die Schnarchaktivität um etwa 85 % reduzierte. Selbst bei Patienten mit einer geringeren Ausgangsschnarchrate wurden Reduktionen von rund 66 bis 69 % beobachtet.

 

Eine weitere aktuelle randomisierte Pilotstudie vergleicht zwei unterschiedliche Unterkieferprotrusionsschienen bei Patienten mit OSA. Verglichen wurden dabei ein Shark-fin UPS und ein Silensor UPS. Beide Schienen verbesserten die Atemsituation während des Schlafs. Auch bei anderen Faktoren zeigten sich Unterschiede, zum Beispiel bei der Schnarchlautstärke, der Tagesschläfrigkeit, der Schlafqualität und dem Tragekomfort. Besonders interessant für die tägliche Praxis war die Möglichkeit, die Schienen unterschiedlich fein einzustellen. Das Shark-fin MAD konnte in sehr kleinen Schritten von 0,25 mm angepasst werden, während das Silensor MAD in 1-mm-Schritten eingestellt wurde. Daraus wird sichtbar: Je genauer wir die Position des Unterkiefers verändern können, desto besser können wir den individuellen therapeutischen Bereich des Patienten finden. Gerade bei der Eingewöhnung und Feinjustierung kann das einen wichtigen Unterschied machen.

Und wie verändert sich eigentlich das Schlafverhalten?

Eine Fallstudie untersuchte das Schlafverhalten von Patienten vor Beginn und 60 Tage nach einer Therapie mit einer UPS. Nach Eingliederung der UPS nahm die Gesamtschlafzeit zu. Gleichzeitig wurden längere Phasen des tieferen NREM-Schlafs (Non-Rapid Eye Movement) beobachtet, also jener Schlafstadien, die für die nächtliche Erholung eine wichtige Rolle spielen. Auch bei den sogenannten Arousals, kurzen Aktivierungen des Gehirns während des Schlafs, zeigten sich Veränderungen, insbesondere im Zusammenhang mit Atemereignissen und Schnarchen. Die Wirkung einer UPS lässt sich wohl nicht allein daran beurteilen, ob das Schnarchen leiser wird. Entscheidend ist vielmehr das gesamte Zusammenspiel von Schlafdauer, Schlafstadien und nächtlicher Atmung.

Was können wir daraus für die tägliche Praxis mitnehmen?

Bei Patienten, die aufgrund von Schnarchen in die Praxis kommen, sollte zunächst zwischen einem primären Schnarchen und einer möglicherweise bislang nicht diagnostizierten OSA unterschieden werden. Eine gezielte Anamnese und standardisierte Screeningverfahren können dabei helfen, das individuelle OSA-Risiko einzuschätzen. Besonders etabliert haben sich zwei Tests, die auch in der Zahnmedizin Hinweise geben können: Der STOP-BANG-Fragebogen erfasst typische Risikofaktoren für eine OSA. Von Schnarchen und Atemaussetzern bis hin zu BMI, Alter, Halsumfang und Bluthochdruck. So lässt sich das OSA-Risiko schnell und unkompliziert einschätzen. Die Epworth Sleepiness Scale (ESS) konzentriert sich auf die Tagesschläfrigkeit und fragt typische Alltagssituationen ab, in denen vermehrte Müdigkeit auftreten kann. Gerade in der Zahnmedizin können beide Fragebögen unkompliziert in die Anamnese integriert werden und können helfen, Patienten mit einem möglichen OSA-Risiko frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zur weiteren schlafmedizinischen Abklärung zu überweisen.

Besteht die Indikation für eine UPS, sollte diese individuell angepasst und schrittweise titriert werden. Ziel ist nicht die maximal mögliche, sondern die geringste wirksame Unterkiefervorverlagerung, mit der eine relevante Reduktion des Schnarchens bei guter Verträglichkeit erreicht wird. Individuell gefertigte UPS stellen damit eine wirksame und praxisnahe Behandlungsoption für primäres Schnarchen dar – vorausgesetzt, die Schiene wird präzise titriert und vom Patienten langfristig gerne getragen.

Für uns Zahnärzte bietet die Schnarchtherapie mit UPS eine sinnvolle Erweiterung des Behandlungsspektrums. Damit wird die Zahnmedizin Teil eines interdisziplinären Behandlungskonzepts, das ein sehr einfaches Ziel verfolgt: weniger Schnarchen, erholsamen Schlaf und dadurch eine bessere Lebensqualität. Wer hätte gedacht, dass manchmal eine bessere Nacht tatsächlich auf dem Zahnarztstuhl beginnt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Unterkieferprotrusionsschienen (UPS) verlagern den Unterkiefer nach vorne und stabilisieren so den oberen Atemweg
  • Studien zeigen deutliche Verbesserungen bei primärem Schnarchen und auch bei mittelgradiger bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe
  • Nicht die maximale, sondern die individuell wirksame Protrusion ist entscheidend – eine gezielte Titration verbindet Wirksamkeit und Verträglichkeit
  • Das Schienendesign (z. B. Länge des Zungenkompressors, Einstellgenauigkeit) beeinflusst den Therapieerfolg deutlich
  • STOP-BANG-Fragebogen und Epworth Sleepiness Scale helfen, das OSA-Risiko auch in der zahnärztlichen Praxis frühzeitig einzuschätzen

 

Hypertonie und Zähne

Hypertonikern auf den Zahn gefühlt

Entzündungen im Mundraum stehen seit Langem im Verdacht, auch die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems zu beeinflussen. Doch gilt ein solcher Zusammenhang auch für Karies und Hypertonie? – eine aktuelle Studie klärt auf.

Lässt sich möglicherweise anhand des Zustands der Zähne erkennen, ob ein Patient unter Bluthochdruck leidet? Dieser Frage gingen Wissenschaftler um Karpal Singh Sohal in ihrer Untersuchung an einer universitären Zahnklinik in Daressalam, Tansania, nach.

Das Ergebnis: Zwar fanden sich bei Patientinnen und Patienten mit Hypertonie tendenziell höhere Karieswerte, eine statistisch signifikante Beziehung zwischen dem Schweregrad der Zahnerkrankung und Bluthochdruck ließ sich damit jedoch nicht nachweisen.

Jeder dritte Zahnarztpatient hatte Bluthochdruck

Für ihre Querschnittstudie untersuchten die Wissenschaftler insgesamt 1.365 erwachsene Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 18 und 90 Jahren. Frauen waren dabei deutlich häufiger vertreten als Männer. Das Geschlechterverhältnis betrug etwa 1,74 zu 1.

Neben soziodemografischen Angaben erfassten die Forschenden den Zahnstatus der Teilnehmenden nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zur Beurteilung der Karieserfahrung verwendeten sie den sogenannten DMFT-Index, der die Anzahl kariöser, aufgrund von Karies fehlender und gefüllter Zähne sowie die Gesamtzahl der Zähne berücksichtigt. Zusätzlich wurde bei allen Teilnehmenden der Blutdruck gemessen. Um zufällige Schwankungen zu reduzieren, bildeten die Untersucher jeweils den Mittelwert aus drei Messungen.

Die Ergebnisse verdeutlichen zunächst die erhebliche Krankheitslast innerhalb der untersuchten Patientengruppe: Bei 592 Personen (43,4 Prozent) stellten die Wissenschaftler eine besonders ausgeprägte Karies fest. Gleichzeitig wiesen 457 Teilnehmende (33,5 Prozent) einen erhöhten Blutdruck beziehungsweise eine Hypertonie auf. Damit war etwa jeder dritte untersuchte Zahnarztpatient von Bluthochdruck betroffen.

Schwacher Zusammenhang ohne prognostischen Nutzen

Bei der statistischen Auswertung zeigte sich zunächst ein kleiner Unterschied: Patientinnen und Patienten mit Hypertonie hatten im Durchschnitt etwas höhere DMFT-Werte als Teilnehmende ohne Bluthochdruck. Allerdings fiel der statistische Zusammenhang ausgesprochen schwach aus. Der Korrelationskoeffizient betrug lediglich r = 0,145 (p = 0,01).

Entscheidend war jedoch ein anderer Befund, wie die Autoren weiter schreiben. Zwischen dem Schweregrad der Karies und dem Vorliegen einer Hypertonie bestand keine nachweisbare statistisch signifikante Beziehung (p ≥ 0,05). Damit ließ sich die ursprüngliche Vermutung der Wissenschaftler nicht bestätigen. Eine besonders ausgeprägte Karies war in dieser Untersuchung kein verlässlicher Indikator dafür, dass ein Patient oder eine Patientin gleichzeitig unter Bluthochdruck litt, und umgekehrt.

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass beide Erkrankungen bestimmte soziodemografische Risikofaktoren teilen. Ein paralleles Auftreten müsse deshalb nicht zwangsläufig auf einen unmittelbaren biologischen Zusammenhang zurückzuführen sein.

Was bedeuten die Ergebnisse für die Praxis?

Die Aussagekraft der Untersuchung sei aber auch durch ihr Studiendesign begrenzt, erklären die Autoren zum Abschluss. Da es sich um eine Querschnittstudie handelt, ließen sich weder zeitliche noch kausale Beziehungen zwischen Karies und Hypertonie bestimmen. Hinzu komme, dass ausschließlich Patientinnen und Patienten einer universitären Zahnklinik untersucht wurden. Die Ergebnisse lassen sich deshalb womöglich nicht ohne Weiteres auf die Allgemeinbevölkerung übertragen.

Dennoch liefere die Arbeit aber einen wichtigen Hinweis für die klinische Einordnung, denn der Zustand der Zähne allein eigne sich offenbar nicht dazu, Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck zuverlässig zu identifizieren, wie es heißt.

Fazit

Karies und Hypertonie können bei denselben Patientinnen und Patienten auftreten und haben in der Regel gemeinsame Risikofaktoren. Aus dem Ausmaß der Zahnschäden lasse sich indes nicht zuverlässig auf einen Blutdruck schließen. Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass der Schweregrad einer Karies nicht als Prädiktor für das Vorliegen einer Hypertonie angewendet werden könne.

 

Originalpublikation: Sohal KS et al., Can the Severity of Dental Caries Predict Hypertension in Adult Patients? Health Science Reports. 2026. DOI: 10.1002/hsr2.72336

 

Sind Kunststofffüllungen doch nicht so unbedenklich?

Kunststofffüllungen gelten als ästhetisch ansprechende und bewährte Alternative zu Amalgam. Doch ganz unbedenklich sind sie möglicherweise nicht. Eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt, dass aus den Kompositen u. a. Mikro- und Nanoplastik freigesetzt werden können.

Kompositmaterialien gehören weltweit zu den am häufigsten eingesetzten Werkstoffen für Zahnfüllungen. Sie bestehen aus einer organischen Kunststoffmatrix und anorganischen Füllstoffen, die für Stabilität und Abriebfestigkeit sorgen. Allerdings können bei unvollständiger Aushärtung, durch chemischen Abbau oder mechanischen Verschleiß Bestandteile des Materials in die Mundhöhle gelangen, erklären die Autoren in ihrer Übersichtsarbeit.

Das Forschungsteam hat die möglichen toxikologischen Auswirkungen dieser Substanzen näher untersucht. Für die im Fachjournal Frontiers in Public Healthveröffentlichte Arbeit werteten die Wissenschaftler Studien aus, die zwischen Januar 1990 und September 2025 erschienen waren. Im Mittelpunkt standen Untersuchungen zur Freisetzung von Kunststoffbestandteilen und deren Nachweis in biologischen Proben sowie mögliche lokale und systemische Gesundheitseffekte.

Chemische Substanzen gelangen in Speichel und Blut

Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Autoren den Monomeren Bis-GMA, TEGDMA, HEMA und UDMA sowie Bisphenol A (BPA). Diese Substanzen können aus Kompositfüllungen freigesetzt werden und teilweise über die Mundschleimhaut oder den Verdauungstrakt in den Organismus gelangen.

Laboruntersuchungen zeigten zuvor, dass einzelne Monomere konzentrationsabhängig zellschädigende, entzündungsfördernde und genotoxische Wirkungen entfalten können. Zu den beschriebenen Mechanismen zählen oxidativer Stress, eine Verminderung der intrazellulären Glutathionkonzentration und die Aktivierung des programmierten Zelltods.

Auch klinische Untersuchungen belegten eine Freisetzung. In einer Studie stieg beispielsweise die BPA-Konzentration im Speichel unmittelbar nach dem Einbringen einer Kunststofffüllung auf durchschnittlich 385 ng/ml. Bereits eine Stunde später war sie auf 88,2 ng/ml und nach 24 Stunden auf 1,85 ng/ml gesunken.

Den Autoren zufolge handelt es sich somit überwiegend um eine kurzfristige Exposition. BPA werde mit einer biologischen Halbwertszeit von etwa sechs Stunden relativ rasch ausgeschieden.

Hinweise auf systemische Effekte – aber keine gesicherten Gesundheitsschäden

Dass Kunststoffbestandteile über die Mundhöhle hinaus nachweisbar sind, zeigen Biomonitoring-Studien. BPA und verwandte Substanzen wurden unter anderem in Urin, Blut, Muttermilch, Nabelschnurblut und Plazenta untersucht beziehungsweise nachgewiesen, wie es weiter heißt.

Besonders diskutiert werde das hormonell wirksame Potenzial von BPA. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge 2023 drastisch auf 0,2 ng/kg Körpergewicht gesenkt.

Einzelne Untersuchungen beschrieben zudem Veränderungen immunologischer Parameter bei Kindern sowie Hinweise auf DNA-Schädigungen in Blutzellen. Allerdings seien die Ergebnisse sehr heterogen. Andere Studien fanden nach dem Einbringen von Kompositfüllungen weder einen signifikanten Anstieg der BPA-Konzentration im Blut noch Veränderungen z. B. bei männlichen Geschlechtshormonen.

Entscheidend sei deshalb, zwischen einer nachweisbaren Exposition und einem tatsächlich bestehenden Gesundheitsrisiko zu unterscheiden. Die Autoren betonen, dass bislang keine überzeugenden klinischen Belege für relevante systemische Gesundheitsschäden durch die unter üblichen Bedingungen freigesetzten Mengen vorlägen.

Mikroplastik als zusätzliche Belastungsquelle?

Neben chemischen Substanzen rücke zunehmend ein weiteres Problem in den Fokus: Durch Abrieb, Hydrolyse und Materialalterung können Kompositfüllungen Mikro- und Nanoplastikpartikel freisetzen.

Experimentelle Untersuchungen lieferten hierzu erste Hinweise auf entzündliche und genotoxische Effekte solcher Partikel. Wie viele davon tatsächlich aus Zahnfüllungen in den menschlichen Organismus gelangen und welche gesundheitlichen Folgen daraus entstehen könnten, sei jedoch bislang kaum untersucht.

Die Autoren sehen hier erheblichen Forschungsbedarf, insbesondere hinsichtlich einer langfristigen Exposition.

Richtige Verarbeitung reduziert die Belastung

Aus den Ergebnissen lassen sich dennoch praktische Konsequenzen ableiten, schreiben die Autoren. Eine ausreichende Polymerisation gelte als entscheidender Faktor, um die Freisetzung nicht ausgehärteter Monomere zu begrenzen. Auch die sorgfältige Oberflächenbearbeitung, eine effektive Trockenlegung sowie das Ausspülen der Mundhöhle nach der Behandlung können die Exposition weiter reduzieren.

Besondere Aufmerksamkeit empfehlen die Wissenschaftler bei Kindern, Schwangeren und zahnmedizinischem Personal, das regelmäßig mit nicht ausgehärteten Materialien in Kontakt kommt.

Fazit

Kunststofffüllungen können biologisch aktive Substanzen und Kunststoffpartikel freisetzen. Während die kurzfristige Exposition gut dokumentiert sei, fehlten belastbare Daten zu langfristigen systemischen Gesundheisrisiken. Die Autoren sprechen sich deshalb nicht grundsätzlich gegen Kompositmaterialien aus, sondern plädieren vielmehr für eine möglichst expositionsarme Verarbeitung und weitere klinische Langzeitstudien.

 

Originalpublikation: Eliasz W et al., Dental composite-resin materials and oral-systemic health: clinical toxicology insights. Front Public Health 2026; 14: 1860620

Xylit erhöht Kardio-Risiko

Birkenzucker statt Haushaltszucker – vermeintlich die gesündere Wahl. Doch jetzt gibt es neue unbequeme Daten: Das Süßungsmittel könnte dem Herzen mehr schaden als bislang gedacht. 

Eine neue Studie sorgt für Aufsehen: Der Verzehr von Xylit könnte mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen. Darauf deutet eine Langzeitanalyse von Patientendaten aus Kanada und Europa hin. Durchgeführt wurde die Untersuchung von einem Forschungsteam der Berliner Charité. Die Ergebnisse wurden auf dem diesjährigen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München vorgestellt.

Bunte Welt der Süßungsmittel

Zuckerersatzstoffe sind Substanzen, die Lebensmitteln einen süßen Geschmack verleihen und als Alternative zu herkömmlichen Zuckerarten (z. B. Haushalts- und Rohrzucker) oder natürlich süßenden Zutaten (z. B. Honig oder Ahornsirup) eingesetzt werden. In der Praxis unterscheidet man zwei Gruppen von Zuckerersatzstoffen, die unter dem Oberbegriff „Süßungsmittel“ zusammengefasst werden. Dazu gehören zum einen die nicht nutritiven Süßstoffe (NNS), die keine verwertbare Energie liefern, aber eine hohe Süßkraft besitzen. Sie können daher nur in sehr geringen Mengen eingesetzt werden. Typische Vertreter sind Aspartam, Cyclamat, Sucralose und Steviolglykoside. Davon abgegrenzt werden die mehrwertigen Zuckeralkohole (Polyole), die herkömmliche Zuckerarten mengenmäßig ersetzen können und deren Energiegehalt bei etwa 2,4 kcal pro Gramm liegt. Zu dieser Kategorie gehören die Zuckeralkohole Xylit, Sorbit, Mannit, Maltit, Lactit, Isomalt und Polyglycitolsirup. Als kalorienhaltige Süßungsmittel müssen sie in die Brennwertberechnung einbezogen werden (Ausnahme: Erythrit hat mit 0,2 kcal pro Gramm nahezu keine Kalorien).

Süßungsmittel können aus Pflanzen gewonnen, chemisch synthetisiert oder biotechnologisch hergestellt werden. In der Europäischen Union sind derzeit 21 Süßungsmittel als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen, 13 nicht nutritive Süßstoffe (E 950–E 969) und 8 Zuckeralkohole (E 420–E 421; E 952–E 968). Sie wurden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der amerikanischen Zulassungsagentur (FDA) allgemein als sicher anerkannt und zugelassen („GRAS“-Status: generally recognized as safe). In der Zutatenliste von verpackten Lebensmitteln müssen Süßungsmittel mit ihrem Stoffnamen oder ihrer E-Nummer aufgeführt werden.

Süßungsmittel gelten als vermeintlich gesündere Alternative zu herkömmlichen Zuckerarten bzw. natürlich süßenden Zutaten und werden auch so beworben. Ein Trugschluss, wie sich nun herausstellt. Die vorliegende Studie der Berliner Wissenschaftler legt nahe, dass mit dem Konsum des trendigen Zuckerersatzstoffs Xylit ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen könnte.

Zweifel an der Unbedenklichkeit

Die Wissenschaftler um M. Witkowski analysierten die Daten von 17.710 Teilnehmern aus zwei prospektiven Beobachtungsstudien. Aus der kanadischen Langzeituntersuchung „Canadian Longitudinal Study on Aging (CLSA)“ stammten 7.651 Probanden und aus einer britischen Teilkohorte der „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)-Norfolk“ gingen 10.059 Probanden in die Analyse ein. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen den Xylit-Plasmakonzentrationen und den neu aufgetretenen schweren kardiovaskulären Ereignissen, definiert als Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Personen mit Xylit-Werten im obersten Viertel der Messungen hatten ein signifikant höheres Risiko für schwere unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse im Vergleich zu Personen mit Xylit-Spiegeln im untersten Quartil. In der CLSA-Kohorte lag das relative Risiko für ein schweres unerwünschtes kardiovaskuläres Ereignis während der sechsjährigen Nachbeobachtung bei den Personen mit den höchsten Werten um 47 % höher als bei den Personen mit den niedrigsten Werten (adjustierte HR 1,47; 95-%-KI 1,15–1,86; p = 0,002). Dabei wurde für etablierte Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Blutfettwerte, Diabetes und Bluthochdruck adjustiert. In der EPIC-Norfolk-Kohorte war das relative Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse während der 30-jährigen Nachbeobachtung bei den Personen mit den höchsten Werten um 18 % höher als bei den Personen mit den niedrigsten Werten (adjustierte HR 1,18; 95-%-KI 1,09–1,27; p < 0,0001).

In der Gesamtauswertung fanden die Forscher zudem eine dosisabhängige Beziehung: Mit steigenden Xylit-Konzentrationen nahm auch die Häufigkeit von Herzinfarkten, Schlaganfällen und kardiovaskulären Todesfällen zu. Der Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung zahlreicher Störfaktoren bestehen.

Befunde geben Anlass zur Sorge

Die vorliegenden Ergebnisse stehen in Einklang mit Befunden aus früheren Studien der gleichen Arbeitsgruppe. In einer kleineren Kohorte mit 1.157 Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Risiken konnte bereits 2023 gezeigt werden, dass hohe Xylit-Konzentrationen im Blut zu einer deutlich höheren Rate schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse in den folgenden drei Jahren führten. Der Befund wurde in einer zweiten Kohorte mit 2.149 Menschen, die sich wegen Herz-Kreislauf-Problemen zu einer kardiologischen Untersuchung vorgestellt hatten, bestätigt. Das relative Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse während der 3-jährigen Nachbeobachtung war bei den Personen im obersten Terzil um 57 % höher als bei den Personen im untersten Drittel (adjustierte HR 1,57; 95-%-KI 1,12–2,21; p < 0,01).

Einfluss der Zähne auf Verdauung, Lebens¬qualität und Psyche

Zähne und Kiefer sind neben der Nahrungszerkleinerung auch an zentralen Funktionen wie Kauen, Schlucken und Sprechen beteiligt. Einschränkungen der Mundgesundheit können daher auch mit Verdauung, Lebensqualität und psychosozialem Wohlbefinden zusammenhängen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) anlässlich des Tages der Zahngesundheit am 25. September mit.

Wissenschaftliche Untersuchungen weisen nach Angaben der Fachgesellschaft auf Zusammenhänge zwischen einer verminderten Kauleistung und Beschwerden des Magen-Darm-Trakts hin. Bei Menschen mit Fehlbiss seien darüber hinaus Veränderungen der Verdauung sowie eine verzögerte Magenentleerung beobachtet worden. Eine funktionierende Kaufunktion könnte damit über die Mundhöhle hinaus von Bedeutung sein.

Fehlstellungen können Lebensqualität beeinflussen

Zahn- und Kieferfehlstellungen betreffen jedoch nicht ausschließlich funktionelle Aspekte. Da insbesondere Augen und Mund die Wahrnehmung eines Gesichts prägen, können sichtbare Auffälligkeiten an Zähnen und Kiefer auch die soziale Wahrnehmung beeinflussen. Negative Reaktionen anderer Menschen können wiederum Auswirkungen auf Selbstwahrnehmung und emotionales Wohlbefinden haben.

Studien zeigen der DGZMK zufolge Zusammenhänge zwischen Zahn- und Kieferfehlstellungen und geringerem Selbstwertgefühl, Mobbingerfahrungen sowie eingeschränkter Lebensqualität. Daraus lasse sich allerdings nicht ableiten, dass jede Fehlstellung zwangsläufig psychische Belastungen verursache. Entscheidend seien vielmehr das Ausmaß der wahrgenommenen Auffälligkeit und die individuellen sozialen Erfahrungen.

Langzeitdaten weisen auf erhöhtes Zahnverlustrisiko hin

Auch langfristige Auswirkungen bestimmter Fehlstellungen auf die Mundgesundheit werden untersucht. Im Greifswalder EFAFU-Projekt beobachtete ein interdisziplinäres Team aus Zahn- und Humanmedizin über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren mögliche gesundheitliche Folgen. Nach Angaben der DGZMK zeigte sich dabei, dass bestimmte Zahnfehlstellungen mit einem erhöhten Risiko für Zahnverlust verbunden waren.

Die Befunde unterstreichen nach Einschätzung der Fachgesellschaft, dass Zahn- und Kieferfehlstellungen nicht ausschließlich unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet werden sollten. Neben der Kaufunktion können auch Mundgesundheit, Lebensqualität und Wohlbefinden betroffen sein.

Fazit

Mundgesundheit umfasst damit deutlich mehr als die Gesundheit einzelner Zähne. Kauen, Schlucken und Sprechen gehören zu elementaren körperlichen Funktionen, während Zähne und Kiefer zugleich Aussehen, Kommunikation und soziale Interaktion mitprägen.

Die von der DGZMK angeführten Befunde weisen darauf hin, dass Erkrankungen und Fehlstellungen funktionelle und psychosoziale Folgen haben können. Der Erhalt einer guten Mundgesundheit sei deshalb eine Aufgabe verschiedener zahnmedizinischer Disziplinen – von Kieferorthopädie und Prothetik über Chirurgie bis zur Parodontologie.

 

Originalquelle: Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V.

Enorale Zoster-Manifestation als Warnsignal

Atypische Manifestationen des Herpes zoster können ein früher Hinweis auf eine bislang unerkannte Immunsuppression sein. Darauf weist dieser Fallbericht hin, der im Rahmen des 68. Kongresses der Deutschen STI-Gesellschaft in Berlin vorgestellt wurde.

Den Autoren zufolge stellt sich eine 55-jährige transgeschlechtliche Patientin mit seit fünf Tagen bestehenden einseitigen Belägen im Bereich von Zunge und Rachen sowie einer schmerzhaften Zungenschwellung und Dysphagie vor. Vorerkrankungen seien nicht bekannt, anamnestisch ergeben sich keine Hinweise auf relevante Noxen oder Medikamenteneinnahmen.

Klinisch zeigen sich im Versorgungsgebiet des Nervus trigeminus (V2/V3 rechts) weißlich-gelbliche, teils pseudomembranöse Beläge mit fötidem Geruch. Die Zunge ist erythematös geschwollen, pharyngeal bestehen zusätzlich Vesikel, während das übrige Integument unauffällig bleibt.

Virologische Diagnostik und Zufallsbefund HIV

Mittels PCR kann eine Infektion mit Varizella-Zoster-Virus gesichert werden. Parallel wird eine ulzerative Stomatitis bei oraler Candidose diagnostiziert. Andere virale Ursachen, darunter Herpes-simplex-Viren, MPXV sowie Coxsackie-Viren, werden ausgeschlossen.

Im Rahmen der weiterführenden Diagnostik zeigt sich jedoch eine bislang nicht bekannte HIV-Infektion mit einer Viruslast von 276.000 Kopien/ml sowie einer ausgeprägten CD4-T-Zell-Lymphopenie von 0,25/µl (17 Prozent). Ergänzende serologische Untersuchungen, unter anderem auf Kryptokokken, Treponema pallidum, Toxoplasmose sowie Hepatitis B und C, bleiben negativ.

Komplexer klinischer Verlauf unter Therapie

Initial erhält die Patientin eine intravenöse antivirale Therapie mit Aciclovir sowie eine antimykotische Behandlung mit Amphotericin B und antiseptische Mundspülungen. Im weiteren Verlauf kommt es allerdings zu einer akuten Verschlechterung der Nierenfunktion mit einem Kreatininanstieg auf 6,54 mg/dl und einer GFR < 15 ml/min, woraufhin die Aciclovir-Dosis angepasst und eine intravenöse Flüssigkeitstherapie eingeleitet wird. Eine Dialyseindikation besteht indes nicht. Sonographisch zeigt sich ein Harnstau zweiten Grades, der eine Katheteranlage erforderlich macht.

Aufgrund einer vorübergehenden Verwirrtheit erfolgt eine neurologische Abklärung mit unauffälligem Schädel-CT, während in der Liquordiagnostik oligoklonale Banden nachgewiesen werden. Nach klinischer Stabilisierung beginnt die Patientin eine antiretrovirale Therapie mit Dolutegravir, Darunavir und Ritonavir. Bis zur Entlassung sinkt die Viruslast auf 176.000 Kopien/ml, gleichzeitig bessern sich die Nierenfunktion sowie die neurologische Symptomatik.

Früher Hinweis auf Immunsuppression

Die Autoren betonen, dass erosive Veränderungen der Mundschleimhaut und das klinische Bild einer Stomatitis eine sorgfältige differenzialdiagnostische Abklärung erfordern. Neben häufigen Ursachen sollten auch seltene Entitäten berücksichtigt werden, darunter eine isoliert enorale Manifestation eines Herpes zoster.

Insbesondere bei bestehender oder bislang nicht diagnostizierter Immundefizienz könne die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus atypisch verlaufen und als frühes klinisches Zeichen fungieren.

Fazit

Der Fall verdeutliche, dass ungewöhnliche oder isolierte orale Zoster-Manifestationen als potenzieller Hinweis auf eine zugrundeliegende Immunsuppression gewertet werden sollten. Den Autoren zufolge sollte bei atypischen Verläufen frühzeitig eine HIV-Diagnostik in die initiale Abklärung einbezogen werden, um eine Infektion rechtzeitig zu erkennen und frühestmöglich zu behandeln.

 

Originalquelle: Sammons M.K. et al., P02: Enorale Herpes zoster-Manifestationen als Ersthinweis auf eine Immunsuppression. 68. Kongress der Deutschen STI-Gesellschaft 2026, Berlin

 

Mini-Roboter soll Zahnbehandlungen vereinfachen

Ein kleiner Dentalroboter könnte zukünftig die Zähne automatisiert für eine Krone vorbereiten. Mit seiner Hilfe ließe sich die Anzahl der Termine pro Zahnbehandlung reduzieren, teilt die Universität Basel mit.

Der Dentalroboter, den Forschende am Departement of Biomedical Engineering der Uni Basel entwickelt haben, ist etwa so groß wie ein Weinkorken; er misst nur 43 mal 26 mal 28 Millimeter. Motoren und Steuerung befinden sich außerhalb und sind mit dem Roboter über biegsame Antriebswellen, Kabel und Schläuche verbunden. „Die Größe ist so designt, dass er bequem in den geöffneten Mund passt“, erklärt Dr. Yukiko Tomooka,

Der kleine Helfer mit dem Namen „MIR“ (für „Miniature Intraoral Robot“) soll Zähne künftig exakt nach einem digitalen Plan präparieren. Die Vision: Nach einem Scan beim ersten Termin könnten Zahnärztinnen und -ärzte genau planen, in welcher Form der Roboter das Zahnmaterial abtragen soll, und die Krone direkt bestellen – nicht erst nach dem zweiten Termin. Der Scan dient nicht nur zur Planung der Krone, sondern auch für eine individuell angepasste Zahnschiene, auf welcher der Mini-Dentalroboter befestigt wird. „Selbst wenn der Patient den Kopf drehen sollte, bewegt sich der MIR mit“, so Tomooka.

Dentalroboter arbeitet bemerkenswert präzise

Die Forschenden testeten den Prototypen ihres Roboters laut Mitteilung der Uni Basel an Zahnmodellen aus Kunstharz und einer Keramik mit ähnlicher Härte wie Zahnschmelz. Die Präparation führt der Roboter in zwei Schritten durch: Zunächst reduziert er mit einem breiten Bohrer die Zahnoberfläche, trägt also Material von oben ab. Im zweiten Schritt bearbeitet ein längerer, dünnerer Bohrer die Zahnseiten. „Bemerkenswert“ sei dabei, wie präzise der Dentalroboter bereits arbeitet, obwohl er bisher keine Sensoren trägt, um seine Position direkt zu messen oder sogar zu korrigieren, so die Uni. In Tests habe der Positionsfehler bei unter 0,2 Millimetern gelegen „und dürfte sich mit Sensoren und Positionskorrektur nochmal deutlich verringern“.

Neben der Präzision haben die Forschenden auch die Kräfte gemessen, die beim Fräsen entstehen: Diese blieben in den Versuchen unter fünf Newton – das entspricht ungefähr der Gewichtskraft einer Flasche Wasser von 0,5 Litern. Zudem untersucht das Team die Geräuschentwicklung des Systems, um dessen Praxistauglichkeit besser beurteilen zu können. In einem nächsten Schritt wollen die Forschenden Sensoren und eine Kamera in den Roboter einbauen, damit das System seine Position und den Behandlungsverlauf überwachen kann.

Originalpublikation:

Yukiko Tomooka et al., Miniature Intraoral Robot (MIR) for Minimally Invasive Tooth Preparation, IEEE Transactions on Medical Robotics and Bionics (2026), doi: https://doi.org/10.1109/TMRB.2026.3682629

Quelle: Universität Basel

 

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