Internationales Expertenteam rät: Vitamin-B12-Mangel und seine Folgen nicht unterschätzen
Ein Vitamin-B12-Mangel ist bei Risikogruppen weit verbreitet. Dazu zählen Personen mit Metformin- oder PPI-Medikation. Wird der Mangel nicht frühzeitig diagnostiziert und wirksam therapiert, kann er schwerwiegende, teils irreversible Folgen haben. Darauf wiesen namhafte Experten aus verschiedenen Ländern in einer interdisziplinären Diskussionsrunde zum Vitamin-B12-Mangel hin. Diese steht jetzt als zertifizierte CME-Fortbildung zur Verfügung.
Risikofaktoren identifizieren
Bei der Diagnose haben Symptome die höchste Priorität. Zudem gilt es, Risikofaktoren wie Medikamenteneinnahme, vegetarische Ernährung oder Erkrankungen im Blick zu haben. „Liegen ein Symptom und ein Risikofaktor vor, sollte ein Test auf Vitamin-B12-Mangel durchgeführt werden“, erklärte Prof. Dr. Rima Obeid vom Uniklinikum des Saarlandes in Homburg (1).
Zu den Risikogruppen für einen Vitamin-B12-Mangel zählen vor allem ältere Menschen sowie Personen mit Resorptionsstörungen zum Beispiel aufgrund einer Medikation mit Metformin, Protonenpumpeninhibitoren (PPI) oder L-Dopa. Bis zu 30 % der Personen unter Behandlung mit Metformin entwickelt einen Vitamin-B12-Mangel (2). Wie Studien belegen (3,4), erhöht sich das Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel mit steigender Metformindosis und Therapiedauer. Zudem tritt eine periphere Neuropathie unter Langzeittherapie mit Metformin häufiger auf als bei Kurzzeitanwendung (4). Die Schwierigkeit in der Praxis besteht darin, dass Symptome einer Vitamin-B12-Mangel-assoziierten Neuropathie denen einer diabetischen Neuropathie ähneln und fälschlicherweise als solche diagnostiziert werden können, betonten die Experten. Beide Ursachen erfordern jedoch eine unterschiedliche Behandlung. Ein Screening des Vitamin-B12-Statuserweise sich daher als sinnvoll (4).
Hochdosierte orale Vitamin-B12-Therapie wirksam
Auch die American Diabetes Association (ADA) empfiehlt, Menschen unter Metformin-Therapie regelmäßig auf Vitamin-B12-Mangel zu testen und diesen ggf. durch eine tägliche orale Einnahme von 1.000 μg Vitamin B12 auszugleichen (5). „Die hochdosierte orale Vitamin-B12-Supplementation kann bei Diabetes-Patienten mit Neuropathie unter Metformin-Therapie nicht nur einen großen Teil der neuropathischen Symptome, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen verbessern“, berichtete Prof. Dr. Dr. Yavor Assyov von der Medizinischen Universität in Sofia, Bulgarien . Er verwies damit auf eine randomisierte, doppelblinde placebokontrollierte Studie, bei der sich durch eine 12-monatige orale Supplementation von 1.000 µg Vitamin B12 pro Tag nicht nur die Vitamin-B12-Blutwerte normalisierten, es verbesserten sich auch die Nervenfunktion und die Lebensqualität von Diabetes-Patienten (6).
… auch bei Resorptionsstörungen
Die hochdosierte orale Vitamin-B12-Therapie hat sich in verschiedenen Studien selbst bei gestörter Resorption als wirksam erwiesen (7). Bei hoher oraler Dosierung von 1.000 µg Vitamin B12* kann eine ausreichende Menge an Vitamin B12 passiv über Diffusion, das heißt unabhängig vom Intrinsic Factor, absorbiert und der Mangel ausgeglichen werden. Bei perniziöser Anämie oder neurologischen Symptomen sollte bis zur Normalisierung der Werte eine initiale parenterale Vitamin-B12-Applikation erfolgen. Die Behandlung lässt sich im Anschluss durch eine hochdosierte orale Erhaltungstherapie auf längere Zeit fortsetzen, wobei sich die Dauer der Therapie nach den Ursachen und der Besserung der Symptomatik richtet.
